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Artikel des Monats Juli 2017

vorgestellt von Prof. Dr. med. Matthias David

Lutz W, Wucherpfennig F

Was bedeutet Personalized Medicine und Personalized Mental Health für die Psychotherapie und Psychotherapieforschung? Oder warum die Psychotherapieforschung in Deutschland ausgebaut werden sollte/könnte/müsste?

(Teil 3) PPmP 2017; 67: 227-230

Forschungsaktivitäten in der Psychsomatik und Psychotherapie werden immer wieder angemahnt. Auch wenn die entsprechenden Studiendesigns schwierig und oftmals ethische Hürden zu überwinden sind, gibt es international durchaus Publikationen dazu. In Deutschland sind solche Untersuchungen dagegen eher selten. Deshalb ist der hier vorgestellte Artikel mit Überlegungen zur Psychotherapieforschung im Kontext der sog. personalisierten Medizin besonders erwähnenswert.

Die beiden Autoren schreiben, dass eine Verbesserung der Evidenzbasierung von zentraler Bedeutung für die Weiterentwicklung der Psychotherapie als wissenschaftlich fundiertes und gesellschaftlich anerkanntes Verfahren zur Behandlung psychischer Störungen ist. Sie merken an, dass viele neuere Behandlungsverfahren z.B. der kognitiven Verhaltenstherapie oder mentalisierungsbasierte Verfahren in der psychodynamischen Tradition spezifische Behandlungsempfehlungen für spezifische Diagnosegruppen hervorbringen und ihren Anspruch auf Originalität durch eigenständige Zertifikate und Weiterbildungsmodule Ausdruck verleihen. Hier stehe einer Vielzahl von zum Teil originellen und beliebten Neuentwicklungen eine geringe Evidenz im Vergleich zu bereits etablierten Verfahren gegenüber.

Wenn man die Effektstärken gut untersuchter, evidenzbasierter Verfahren betrachtet, sind diese für viele Patienten wirksam, für einige sogar hochwirksam, während andere Patienten keinen Nutzen aus der Behandlung ziehen können: Psychotherapie erzielt bei ca. einem Drittel aller Patienten keinen signifikanten Effekt. Die gleiche Behandlung kann also eine sehr unterschiedliche Wirksamkeit für unterschiedliche Patienten haben.

Die Autoren postulieren daher als vorrangiges Ziel der Psychotherapieforschung für jene Patienten bzw. Patientengruppen eine Therapieverbesserung zu erreichen, die (bisher) vorn dieser keinen Nutzen haben oder bei denen sogar ungünstige Effekte (sudden loss) auftreten. Sie fordern daher einen Paradigmenwechsel in der Psychotherapieforschung mit einer Abkehr von der Methodenorientierung (Behandlungsverfahren A vs. B) hin zu einer Patienten- und Erfolgsorientierung und bezeichnen zwei Fragen als wichtig und wegweisend: Welche Therapie ist für welchen Patienten am erfolgreichsten? Wie können therapeutische Strategien optimal im Laufe der Behandlung an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden?

In diesem Sinne könnte auch die DGPFG in der Zukunft psychosomatische Forschungsaktivitäten lenken und unterstützen.

Matthias David, Juli 2017

Prof. Dr. med. Matthias David

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