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Artikel des Monats Dezember 2017

vorgestellt von Prof. Dr. med. Matthias David

Theresa Beddig, Christine Kühner.

Aktuelle Aspekte zur Prämenstruellen Dysphorischen Störung – Ein Überblick.

Psychother Psych Med 2017; 67: 504–513

 

Über vorübergehende affektive, kognitive, oder körperliche Veränderungen um die Zeit der Menstruationsblutung wird von den meisten Frauen im reproduktiven Alter berichtet, so dass diese bis zu einem gewissen Grad als physiologisch gelten können. Meist werden diese Symptome als mild und kaum beeinträchtigend wahrgenommen. Wenn der Monatszyklus regelmäßig mit Beschwerden einhergeht und das Vollbild einer PMDS nicht erfüllt ist, könnte ein prämenstruelles Syndrom (PMS) vorliegen. Als Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) wird ein zyklusabhängiges Symptombild mit den Hauptmerkmalen Stimmungslabilität, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit und Angstzustände definiert, das bei Frauen im gebärfähigen Alter auftreten kann. Die Symptome können schon nach dem Eisprung beginnen, sind in der Regel kurz vor der Menstruation am stärksten und bilden sich innerhalb weniger Tage nach Menstruationsbeginn zurück. In den 1930er Jahren wurden von R. T. Frank erstmals prämenstruelle Beschwerden als klinische Einheit beschreiben; 1953 wurde dieses Krankheitsbild von Greene und Dalton als prämenstruelles Syndrom bezeichnet. Mitte der 1990er Jahre wurde es in „Prämenstruelle Dysphorische Störung“ umbenannt.

Ob es sich bei der PMDS tatsächlich um eine behandlungsbedürftige psychische Störung handelt, wurde lange Zeit kontrovers diskutiert: „Befürchtet wurden u. a. eine Stigmatisierung von vielen Frauen als psychisch krank, die Pathologisierung natürlicher weiblicher Prozesse, eine schlechtere Stellung von Betroffenen in rechtlicher Hinsicht, z. B. in Sorgerechts-Prozessen, und eine Zunahme von Stereotypen über „launische“, „reizbare“ Frauen…“. Eine Reihe von Studien legen allerdings nahe, dass es sich bei der PMDS um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt.  Die Autoren des Reviews sehen durchaus Vorteile, die sich aus der Diagnosezuordnung für betroffenen Frauen ergeben: höhere Akzeptanz des Krankheitsbildes in der Öffentlichkeit, verbesserte Möglichkeiten zu dessen Erforschung, eine Verbesserung der Kenntnis von geeigneten Therapieansätzen, verbesserte evidenzbasierte Versorgung. Im Artikel werden die Diagnostik, die Häufigkeit, der Verlauf und Comorbiditäten beschrieben. Auch zu möglichen Ursachen wird Stellung genommen, wobei hormonelle Störungen, zyklusabhängige Fluktuationen des Serotoninsystems, Stresserleben, bestimme psychische Einflussfaktoren (z.B. ruminatives Grübeln, erhöhte Angstsensitivitäts- und Neurozitismuswerte) sowie eine genetische Überlappung mit depressiven Störungen diskutiert werden. Die Autoren geben auch Behandlungsempfehlung: 1. Medikamentös: Einsatz von serotonerg wirksamen Substanzen (SSRI)und „HRT“ (Ovulationshemmer); 2. Psychotherapie: Verhaltenstherapie, Achtsamkeits- und Akzeptanz-basierte Interventionen; 3. Veränderung von Lebensgewohnheiten (regelmäßige sportliche Betätigung, gesunde Ernährung, Entspannungsverfahren, soziale

Unterstützung oder Stressreduktion). Die Autoren schließen ihren Beitrag dazu allerdings mit folgendem Resümee: „Die Datenlage zur Wirksamkeit von Pharmakotherapie und Psychotherapie ist derzeit noch unzureichend, sodass auf deren Basis keine definitive Therapieempfehlung für die Praxis gegeben werden kann…“.

Matthias David, Dezember 2017

Prof. Dr. med. Matthias David

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