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Artikel des Monats Januar 2018

vorgestellt von PD Dr. med. Friederike Siedentopf

Yonkers KA, Simoni MK.

Premenstrual disorders.

Am J Obstet Gynecol. 2018 Jan;218(1):68-74

 

Es handelt sich um einen sehr gut strukturierten Reviewartikel, der Begriffsdefinitionen sowie Behandlungsoptionen zu Prämenstruellen Störungen umfasst.

Unter dem Begriff der Prämenstruellen Störungen werden das prämenstruelle Syndrom, die prämenstruelle dysphorische Störung sowie die prämenstruelle Verschlechterung anderer medizinischer Symptome (‘premenstrual worsening of another medical condition`) zusammengefasst.

Das prämenstruelle Syndrom wird folgender Maßen definiert:

  • -physische und/oder emotionale Symptome
  • -die Symptome sind in der Lutealphase des Zyklus präsent und nehmen nach Einsetzen der Menstruation ab
  • -während des Zyklus gibt es eine symptomfreie Woche
  • -die Symptome gehen mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität einher.

Vom prämenstruellen Syndrom sind etwa 20-30% aller Frauen betroffen, die Prävalenz der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDD) wird auf etwa 1,2 bis 6,4% geschätzt. Letztendlich sind die Ursachen für die verschiedenen Symptome unklar, angenommen wird jedoch eine spezifische Reaktion der betroffenen Frauen auf die hormonellen Schwankungen, die mit dem natürlichen Menstruationszyklus einhergehen sowie Serotoninmangel, die die Symptome auslösen. Zur Diagnostik wird nach einer sorgfältigen Anamneseerhebung ein tägliches Symptom-Tagebuch über 2 Menstruationszyklen empfohlen. Zur Therapie gibt es mittlerweile sehr viele Studien. Günstiger Einfluss wird Life-style-Faktoren wie Sport und einer kohlenhydratreichen Diät (die wiederum den Serotoninmangel ausgleichen soll) sowie kognitiver Verhaltenstherapie zugeschrieben. Zu den effektivsten   pharmakologischen Behandlungsoptionen gehören Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) sowie orale Kontrazeptive mit einem verkürzten oder gar keinem hormonfreien Intervall. Für die SSRI-Gaben gibt es verschiedenen Schemata (nur in der Lutealphase oder während des gesamten Zyklus). Der Wirkungsmechanismus scheint anders zu sein als beim Einsatz der Medikamente zur Behandlung einer Depression. Eingesetzt werden die SSRI vor allem bei PMDD, aber auch bei weniger ausgeprägten psychischen Symptomen kommt es zur Verbesserung der Symptomatik.

Auch komplementärmedizinische Ansätze wurden untersucht und vorgestellt. Zum Einsatz kommen Agnus castus, Gingko biloba, Vitamin B6, Calciumsubstitution, Johanneskraut sowie Nachtkerze.

Frauen, die auf keine der angesprochenen Therapien ansprechen, können ggf. von einer GnRH-Analoga-Therapie oder, als Ultima ratio, auch einem chirurgischen Ansatz (beidseitige Salpingooophorektomie) profitieren. Sie sind dann konfrontiert mit den Nachteilen, die diese mit sich bringen.

Friederike Siedentopf, Januar 2018

PD. Dr. med. Friederike Siedentopf

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