Überspringen zu Hauptinhalt

DGPFG-Rundbrief
2/2016 Nr. 52

Dezember 2016

Liebe Mitglieder der DGPFG,

haben Sie nicht auch das Gefühl, dass auf unserer Seele herumgeTRUMPelt wird?

Dass ein Populist einen faktenlosen Wahlkampf gewinnt, sollte uns mehr als nachdenklich stimmen. Die von der Globalisierung vorgegaukelte, aber selten mögliche „Verfügbarkeit“ eines sorgenfreien Lebens erzeugt Gier, Kränkung und am Ende ein Gefühl von Bedeutungslosigkeit. Dies ist der Nährboden für fast alle Zeitphänomene wie auch den Erfolg des Populismus.

Was können wir Psychosomatiker tun?

Der bekannte Freiburger Ethiker Giovanni Maio schreibt in seinem Buch, Medizin ohne Maß: „Das Glück liegt nicht in unserer Hand, sondern in unserer Einstellung.“ …und damit können wir insbesondere mit unseren Patientinnen immer wieder arbeiten. Die biopsychosozial begleitete Elternschaft ist kein Garant aber Voraussetzung für eine Entwicklung zum selbstbewussten, kohärenten Menschen, der weniger Anfälligkeit zeigt für Extremismus, welcher Art auch immer.

Aber auch die ganz allgemeine psychosomatische Begleitung von Frauen in Ihren Lebensübergängen von der Menarche bis zur Menopause und in ihren Krisenzeiten, sei es aus biologischen, psychischen oder sozialen Gründen, hat aus meiner Sicht protektive Effekte.

Indem wir eine ehrliche und ganzheitliche Medizin anbieten, welche sich nicht dem Diktat von Ökonomie und Organisation unterordnet, leisten wir viel für den „Seelenfrieden“ – auch den unseren.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie nach Lektüre unseres Rundbriefes auch zu dem Schluss kommen, dass wir in der DGPFG und im Verbund mit den kooperierenden Verbänden gute Arbeit leisten. Vorstand und Beirat sind fleißig und haben viel geschafft. Wir sind auf gutem Weg – sind zunehmend bedeutsam, versuchen klug und evident zu entscheiden und öffnen unsere Grenzen, und damit stehen wir auch politisch auf der aus meiner Sicht richtigen Seite. Ich hoffe, viele von Ihnen sehen das auch so.

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich und in freudiger Erwartung auf ein Wiedersehen in Dresden

Dr. Wolf Lütje
Präsident der DGPFG

Oops...
Slider with alias rundbrief not found.

Inhaltsverzeichnis

Seite 3
Einladung zur Mitgliederversammlung


Seite 4
Klausurtagung im September 2016


Seite 5
Gewalt gegen Frauen


Seite 6
Die neue Homepage


Seite 7
DGPFG-Kongress 2017


Seite 8
Nationales Zentrum Frühe Hilfen


Seite 9
Kooperationen – Informationen und Stand der Dinge


Seite 10
Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland BKiD


Seite 10
Perspektiven der psychosozialen Kinderwunschberatung in Deutschland – Tagung in Hamburg


Seite 11
Initiative Klug entscheiden


Seite 12
Kongressberichte


Seite 12
61. Kongress der DGGG 2016


Seite 13
DGPFG-Sitzung zu Migrationsthemen auf der DGGG-Tagung 2016


Seite 14
23. Jahrestagung des AKF


Seite 15
Fachtag „Gelingende Geburtshilfe“


Seite 16
Studie: Deutschland hat weniger Sex


Seite 17
Buchtipps


Seite 17
Vertrauen in die natürliche Geburt


Seite 17
Schönheitsmedizin


Seite 18
Impressum

Gyne 02/2016 – Psychosomatischer Umgang mit chronischen Unterleibsschmerzen

  • 25. Februar 2016
  • Gyne

Gyne 02/2016
„Irgendwoher muss es doch kommen!“ – Psychosomatischer Umgang mit chronischen Unterleibsschmerzen

Autorin: Claudia Schumann

 

Ein typisches und häufiges Beschwerdebild in der Praxis sind anhaltende Schmerzen ohne eindeutige somatische Erklärung. Dabei überwiegen die weiblichen Patientinnen. Als Ursachen für diesen Geschlechterunterschied werden „v.a. geschlechtsspezifische Unterschiede in der Assoziation mit psychischen Störungen und Traumata, in der Verarbeitung, Interpretation und Kommunikation von Körperreizen, in der Entwicklung von Krankheits- und Gesundheitskonzepten und –verhalten“ angenommen [1]. Prävalenz-Erhebungen aus den USA zeigen, dass 15% aller Frauen von chronischem Unterbauchschmerz betroffen sind [2], für Europa werden ähnliche bzw. eher noch höhere Zahlen vermutet  [3]. Auf die Mehrzahl dieser Frauen passt die Definition der „somatoformen Schmerzstörung“ nach ICD 10 / F 45.4: „ Die vorherrschende Beschwerde ist ein andauernder (mehr als sechs Monate), schwerer und quälender Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden kann. Er tritt in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen auf,  die schwerwiegend genug sein sollten, um als entscheidende ursächliche Faktoren gelten zu können.“ 

Die Schmerzen quälen nicht nur die Betroffenen, sie machen auch die behandelnden Ärzte und Ärztinnen oft ratlos: Was tun? Wie umgehen mit dem Erwartungsdruck? „Patienten sind oftmals frustriert und verunsichert, da sie unter den Beschwerden zum Teil erheblich leiden, es aber scheinbar keine Erklärung bzw. Behandlung für sie gibt, und Behandler befürchten, eine ernsthafte somatische Erkrankung zu übersehen“ – heißt es im einleitenden Statement der S3-Leitlinie „Nicht spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden“.
Im Folgenden beschränke ich mich auf den chronischen Unterbauchschmerz, eines der häufigsten Schmerzsyndrome bei Frauen im fertilen Alter. Dabei geht es mir vor allem um die „Fallstricke“ der Arzt-Patientin-Beziehung, die Einschätzung des Schweregrades  und um konkrete Strategien für die Praxis.
Bezugsrahmen der Ausführungen sind vor allem die aktuellen Leitlinien allgemein zu den somatoformen Schmerzstörungen [4,5] und speziell zum chronischen Unterbauchschmerz [6].

Kasuistik 1: „Ich hoffe, SIE können mir endlich helfen!?“ – Teil 1

Lena S., 21 Jahre, hat wegen ihrer starken Unterleibsschmerzen in den letzten zwei Jahren schon drei Laparoskopien hinter sich. Die Diagnose Endometriose ist histologisch gesichert, kleinere Endometriose-Herde wurden operativ entfernt. Die Schmerzen treten trotzdem immer wieder auf. Fünf Gynäkologen hat sie konsultiert, zuletzt einen „Spezialisten“ in der 100km entfernten Großstadt. Auch der hatte keine Lösung parat. Jetzt sitzt sie mit akuten Schmerzen zum ersten Mal erwartungsvoll in meiner frauenärztlichen Praxis: „Sie sollen sich ja mit Endometriose auskennen!“ Sie hat eine lange Liste der verschiedenen Hormonpräparate dabei, nichts habe auf Dauer geholfen; die Hormonspirale wurde wegen Dauerblutung und Schmerzen nach drei Monaten wieder gezogen. Die Ausbildung hat sie wegen der Fehlzeiten abbrechen müssen, auch stundenweise Jobs schafft sie nicht, sie ist dauernd erschöpft und der Freund hat sich getrennt. Jetzt lebt sie allein, finanziell unterstützt vom Arbeitsamt.

Lena S. ist eine schlanke hübsche sympathische junge Frau, die mit einem eingefrorenen Dauer-Lächeln ihre ganze Misere schildert: die lieblose Kindheit nach der frühen Trennung der Eltern, das frühe „Allein-gelassen-Sein“, als die Mutter mit dem neuen Partner zusammenzog und sie „nur störte“, die dauernde Entwertung und ihr Kampf dagegen. Dass man etwas gefunden hat als Ursache der Schmerzen– die Endometriose – findet sie gut; und ist enttäuscht, dass sich das nicht einfach wegmachen lässt. Am liebsten würde sie sich noch einmal operieren lassen. (Fortsetzung weiter unten)

Ätiologie und Risikofaktoren des chronischen Unterbauchschmerzes

Beim chronischen Unterbauchschmerz muss man eine Vielzahl möglicher körperlicher Ursachen bedenken: Endometriose, Myome, Adhäsionen, Ovarialcysten, Colon irritabile, maligne Erkrankungen, Reizblase, Rückenerkrankungen u.a.. Auch bei gründlicher Untersuchung incl. Bildgebung und Bauchspiegelung lässt sich oft kein eindeutiges Korrelat für die Beschwerden finden. Aber selbst wenn man eine körperliche Ursache – z.B. Endometriose-Herde – findet, gibt es oft genug eine Diskrepanz zwischen dem körperlichen Befund und der angegebenen andauernden Schmerzsymptomatik.

Dafür gibt es keine eindeutigen Erklärungen. Aber wir kennen Risikofaktoren für die Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms; dazu zählen vor allem Stressfaktoren in der Kindheit [1], die den Aufbau einer „sicheren Bindung“ beeinträchtigen, wie emotionale Vernachlässigung, psychische Erkrankung der Eltern, und auch Gewalterfahrung jeglicher Art. Für die Entwicklung speziell des chronischen  Unterbauchschmerz werden in einer großen  Metaanalyse [2] körperliche wie seelische Risikofaktoren benannt: Adhäsionen (nach Entzündung), Endometriose, Z.n.Sektio, Z.n.Abort, körperlicher oder seelischer Missbrauch, Angst, Depression. Kein Zusammenhang wurde nachgewiesen mit Ausbildungsstand, Familienstand, Erwerbstätigkeit, Parität, und Infertilität. Abschließend bedeutet das für die Diagnostik, dass körperliche wie seelische Faktoren in gleicher Weise im Auge behalten werden müssen.

Die Beziehung zwischen Patientin und Ärztin/Arzt

Die Behandler-Patientin-Beziehung wird oft schon von Anfang an und von beiden Seiten als schwierig erlebt. Typischerweise werden folgende Gefühle beim Behandler ausgelöst [5]:

  • Hilflosigkeit, Unsicherheit, Ratlosigkeit, Scheitern
  • Gefühl, erst idealisiert und dann entwertet zu werden
  • Entscheidungsdruck, Getäuscht-Fühlen, Entlarven-Wollen; sich unter Druck gesetzt fühlen
  • Machtkampf, Ohnmachtserleben, Manipulation
  • Langeweile, Ungeduld, Enttäuschung, Wut, Ärger,
  • Frustration, Ablehnung der Patientin; Wunsch, sich zu entziehen.

Das muss man wissen, bedenken und sich darauf einstellen bzw. die Gegenübertragung bewusst nutzen! Der Aufbau einer (trotzdem) tragfähigen Beziehung schon bei der Anamnese ist das A und O der Behandlung. Dabei geht es um eine „gelassene, empathische, aktiv-stützende, symptom- und bewältigungsorientierte Grundhaltung“ [7], kurz:  ein professionell-gelassener Umgang mit der „schwierigen Patientin“. Wenn das nicht gelingt besteht die Gefahr des „doctor-hoppings“ (wie bei der von mir geschilderten jungen Frau), weil die Patientin sich immer wieder un- oder falsch verstanden fühlt und ihre (unrealistisch) hohen Erwartungen nicht erfüllt, aber auch nicht auf ein realistisches Maß reduziert werden.
Die Beschwerden sollten ausführlich geschildert und ernst genommen werden, im Sinn des „aktiven Zuhörens“ sollten Interesse und Akzeptanz signalisiert werden. „Mit psychosozialen Themen soll zunächst beiläufig und indirekt statt konfrontativ umgegangen werden, zum Beispiel durch das Begleiten des Wechsels zwischen Andeuten psychosozialer Belastungen und Rückkehr zur Beschwerdeklage  (“tangentiale Gesprächsführung“) [5]. Zusätzlich zu den spontan geschilderten Körperbeschwerden sollte gezielt nach anderen Leitsymptomen der somatoformen Schmerzstörung gefragt (chronische Müdigkeit, diffuse Rückenschmerzen u.a.) und die „Funktionsfähigkeit im Alltag“ eruiert werden.

Simultan-Diagnostik: bio-psycho-sozial

Im Sinne einer bio-psycho-sozialen Grundhaltung sollte immer eine „Simultandiagnostik“ erfolgen, also ein „sowohl-als auch“ signalisiert werden statt einem „entweder-oder“. Laut Leitlinie gilt sogar: Ein „Abwarten somatischer Ausschlussdiagnostik trotz Hinweisen auf psychosoziale Belastungen ist kontraindiziert“ [5]. Der Zusammenhang zwischen Unterbauchschmerzen und Depression ist unklar: Zwar konnte in der WHO-Metaanalyse ein stat. signifkanter Zusammenhang zwischen Depression und Unterbauchschmerz nachgewiesen werden [2], andrerseits kann man auch die depressive Symptomatik als Reaktion auf den chronischen Schmerz interpretieren.
Gewalterfahrungen werden anamnestisch deutlich gehäuft gefunden, wobei die Datenlage   unterschiedlich ist. Einige Studien haben ergeben, dass 40–60% der Frauen mit chronischem Unterbauchschmerz ohne körperliches Korrelat in der Anamnese sexuell oder körperlich missbraucht wurden [8,9]. Eine prospektive Studie bei Kindern, die Opfer von Gewalttaten waren, ergab allerdings kein vermehrtes Auftreten ungeklärter Schmerzsyndrome [10]. Insgesamt ist gesichert, dass körperliche und/oder sexuelle Gewalterfahrung ein Risikofaktor für die Entwicklung eines chronischen Unterbauchschmerzes, aber der Zusammenhang nicht zwingend ist.

Auch wenn psychosoziale Belastungen eindeutig im Vordergrund zu stehen scheinen oder es sogar Hinweise auf eine sexuelle Traumatisierung gibt, darf die körperliche Abklärung nicht entfallen. Die Frau hat körperliche Schmerzen, sie erwartet und braucht eine Be-HAND-lung im wahrsten Sinne des Wortes. Eine sorgfältige körperliche Untersuchung, ergänzt um die gynäkologische Untersuchung incl. vaginalem Ultraschall sind oft aufschlussreich: Was tut wie weh? Welche Vorstellungen hat die Frau? Diffuse Ängste können oft schon in dieser Phase reduziert werden durch beruhigende Erklärungen.

Wichtig sind die Transparenz aller Untersuchungsschritte und die gemeinsame weitere Planung: Kann man zunächst abwarten, weil die Situation aktuell nicht bedrohlich bzw. die Beschwerden aushaltbar sind, oder ist eine weitere Abklärung notwendig? An erster Stelle steht hier die diagnostische Bauchspiegelung. Zusammen mit der Patientin wird geklärt, wann und warum  eine Bauchspiegelung sinnvoll und was dabei zu erwarten ist. So können Voroperationen oder Unterleibsentzündungen evtl. zu Verwachsungen geführt haben, eine starke Dysmenorrhoe kann Hinweis sein auf eine Endometriose; aber es kann sich auch trotz Schmerzen ein „Normalbefund“ finden.
Im Anschluss an die operative Diagnostik ist eine ausführliche Befundbesprechung wichtig mit einer Wertung der Befunde, denn die Korrelation zwischen „Befund“ und „Schmerz“ ist oft nicht eindeutig.

Gefahr der iatrogenen Chronifizierung

So sollte es sein – denn bekannt ist andererseits: Das ärztliche Behandlungsverhalten kann einen Beitrag leisten zur Chronifizierung der Symptomatik! Und viele Frauen haben schon eine Odyssee hinter sich und sind entsprechend verunsichert bzw. fixiert auf die Symptomatik durch eine rein somatische Behandlung. Zu den bekannten „iatrogenen Chronifizierungs-faktoren“ in Diagnostik und Therapie gehören [5]:

  • einseitiges biomedizinisches oder psychologisierendes Vorgehen
  • Über-Diagnostik, Überschätzen medizinischer Befunde,
  • Mangelnde oder stigmatisierende Information („Sie haben nichts“, „alles nur psychisch“)
  • Förderung passiver Therapiekonzepte (Operationen, Injektionen, Massage, lange Krankschreibung)
  • Unzureichende analgetische Behandlung; unkritische Verschreibung von suchtfördernden Medikamenten

Einschätzen des Schweregrads

Im Umgang mit Frauen mit chronischem Unterleibsschmerz ist es sehr hilfreich, nach prognostisch günstigen Faktoren („green flags“)  zu suchen bzw. nach Hinweisen für einen schweren Verlauf („yellow flags“)[11]. Denn in Abhängigkeit von diesen Hinweiszeichen kann man die weitere Behandlung besser planen.

Zu den „green flags“ gehören:

  • Aktive Bewältigungsstrategien (z. B. körperliches Training)
  • Gesunde Lebensführung (ausreichend Schlaf, gute Ernährung)
  • Sichere Bindungen; soziale Unterstützung
  • Gute Arbeitsbedingungen
  • Gelingende Arzt-Patientin-Beziehung
  • Klinische Charakteristika für einen eher schweren Verlauf („yellow flags“) können sein:
  • Mehrere Beschwerden (Unterleibsschmerz + chron. Müdigkeit + Kopfschmerz +..)
  • Häufige bzw. anhaltende Beschwerden (d.h. die Frau ist selten beschwerdefrei)
  • Dysfunktionale Gesundheits-/ Krankheitswahrnehmung (z.B. katastrophisierendes Denken); „Ärzte-hopping“
  • Deutlich reduzierte Funktionsfähigkeit, lange arbeitsunfähig, sozialer Rückzug
  • Hohe psychosoziale Belastung, wenig Sozialkontakte
  • Psychische Komorbidität (Depression, Angststörung)

Kasuistik 1, Teil 2

Nachdem sich im Verlauf von zwei weiteren kurzfristigen Terminen ein klareres Bild ihrer schmerzhaften Erkrankung und der bio-psycho-sozialen Zusammenhänge ergeben hat und wir uns einig sind, dass eine erneute Bauchspiegelung keinen Sinn macht, verabrede ich  mit Lena S.  regelmäßige beschwerde-unabhängige Termine im Abstand von wenigen Wochen. Das klappt  auch nach und nach, die „Not-Termine“ werden seltener.
Es gelingt in langen Gesprächen, den „Teufelskreis“ von Schmerz / Anstrengung / Überlastung/ Enttäuschung sichtbar zu machen, und vor allem mit ihr zusammen die Ziele zu begrenzen: Nicht schmerzfrei, aber doch wieder so stabil zu werden, dass sie eine Ausbildung anfangen kann. Begleitend zu diesen eher stützenden psychosomatischen Terminen läuft eine psychotherapeutische Behandlung bei einer Psychologin, bei denen Gewalterfahrungen in der Kindheit bearbeitet werden.
Um ein besseres Körpergefühl zu bekommen empfehle ich ihr eine stationäre Reha-Maßnahme in einer Einrichtung, die auf die Behandlung von Frauen mit Endometriose spezialisiert ist. Dort fühlt sie sich zwar leider nicht sehr wohl, weil sie „keiner ernst nimmt“(!) – aber sie hält die Zeit durch und beginnt mit einem leichten Konditions- und Sporttraining, außerdem lernt sie Entspannungs-Techniken. Danach schafft sie ein halbjähriges Praktikum in einer Verwaltung, wo die Mitarbeiter um ihre „Anfälligkeit“ wissen, sie mögen und es akzeptieren, dass sie gelegentlich bei starken Schmerzen schon mittags geht. Sie ist sehr stolz über diesen Erfolg und möchte im Anschluss eine Ausbildung  beginnen.

Immer wieder ist das zentrale Thema in unseren Gesprächen: „Was wollen Sie, was trauen Sie sich zu, was hilft oder tut gut, und vor allem: Wer hilft?“ Sie geht aktiver mit ihrer schmerzbedingten Einschränkung um und lernt, die „Lächel-Maske“ gelegentlich abzusetzen und sich auch einmal trösten zu lassen. Die Beziehung zu ihrem Freund läuft wieder, Sex tut allerdings immer noch weh. Bisher ist keine weitere Operation erfolgt. Allerdings hat sie den letzten Termin abgesagt: Weil sie ihn nicht mehr braucht? Oder weil sie zur nächsten Ärztin gewechselt hat?

Therapie

Die Therapieziele beim chronischen Unterbauchschmerz sind wie bei allen somatoformen Schmerzstörungen begrenzt: Verbesserung der Lebensqualität, Verhinderung von Chronifizierung bzw. Begleitung bei eingetretener Chronifizierung, um selbstschädigendes, leider oft iatrogen mitgetragenes Verhalten zu reduzieren (rezidivierende operative Eingriffe, riskante Therapien). Letztlich geht es darum, mit der Frau „zu einem erweiterten Erklärungsmodell“ zu kommen „hin zu einem biopsychosozialen Modell“ [7].

Wenn es gelingt, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, wenn die Frau sich einlässt auf regelmäßige Gespräche und akzeptiert, dass viele kleine Schritte nötig sind statt einer großen Lösung – ist schon sehr viel gewonnen.

Das ist gerade bei leichteren Verläufen zu erreichen im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung durch den betreuenden Frauenarzt/ die Frauenärztin oder den Hausarzt/ die Hausärztin. Es geht immer wieder darum, die Beschwerden ernst zu nehmen und sie anschaulich zu erklären als bio-psycho-soziales Syndrom: d.h. mit der Patientin die Faktoren zu finden, die die Schmerzen auslösen oder reduzieren können. Dabei ist wichtig zu betonen, dass die Symptome zwar belastend aber nicht gefährlich sind, dass es gilt damit einen adäquaten „gelassenen“ Umgang zu finden, und das der Behandler/ die Behandlerin dabei eine stabile verlässliche Begleitung anbietet. Hilfreich sind alle Möglichkeiten der körperlichen Aktivierung – leichter Ausdauer-Sport, Yoga, autogenes Training. Schmerzmedikamente können zeitlich beschränkt eingesetzt werden, meist sind sie allerdings wenig hilfreich. Bei spezifischen Befunden – z. B. Endometriose – muss natürlich die entsprechende medikamentöse Behandlung (z. B. Gestagen-Dauertherapie) eingesetzt werden, immer mit Hinweis auf eine evtl. nur begrenzte Wirkung.

Bei schwereren Verläufen – s.o. „yellow flags“ – kommt es noch mehr darauf an, den Teufelskreis zwischen Dauerschmerz – Anspannung – depressivem Rückzug – Drängen auf somatische (operative) Behandlung usw. zu unterbrechen. Wenn immer möglich, sollte die Behandlung multimodal in einem Team erfolgen. Unter Federführung eines psychosomatisch-versierten Arztes/ Ärztin geht es um eine Kombination aus Physiotherapie, Psychotherapie, Entspannungsverfahren, Sozial-Training u.a. Dafür braucht man natürlich ein Netzwerk mit einem entsprechenden Versorgungskonzept, in das die Akteure eingebunden sind und sich regelmäßig austauschen. Besonders schwierig kann die Motivation für eine Psychotherapie sein: Die Patientin „hat ja etwas“ – aber sie sieht sich nicht als „Fall für den Psychiater“!  Da kann gerade der somatische Arzt/ die Ärztin mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation die Weichen stellen. Wirksamkeitsnachweise gibt es für die kognitive Verhaltenstherapie, während für die anderen Psychotherapieformen die Datenlage nicht ausreichend ist.

Es gibt Situationen, in denen die ambulante Behandlung an ihre Grenzen stößt und eine stationäre Behandlung angezeigt ist. Das gilt natürlich bei akuter Selbstgefährdung (Suizidalität), aber auch bei besonders schwerem chronischen Schmerz, bei schwerer psychischer Ko-Morbidität, gelegentlich auch bei fehlender Behandlungsmotivation bzw. Fixierung auf das somatische Erklärungsmuster  und bei ausbleibendem Erfolg der ambulanten Behandlung. Im stationären Kontext kann es leichter gelingen, ein abgestimmtes multimodales Konzept der Schmerzbehandlung akzeptabel und wirksam zu machen. Wenn die Klinik speziell darauf ausgerichtet ist, “können  zuvor als therapieresistent geltende chronische Schmerzen im Zeitrahmen eines stationären Rehabilitationsaufenthaltes effektiv behandelt werden“ [12], d.h. die Wahl der „richtigen“ Klinik ist entscheidend.

Fall 2 oder: Der psychosomatische Ansatz lohnt sich

Frau W. ist inzwischen fast 80 Jahre alt. Mit Mitte 50 erkrankte sie an Vaginalkrebs, der strahlentherapeutisch erfolgreich behandelt wurde. Ich lernte sie kennen im Rahmen der sehr langwierigen Wundheilung, sie war eine der ersten Patientinnen in meiner frauenärztlichen Praxis. Nach Abschluss der Behandlung kam sie alle 3–4 Wochen notfallmäßig mit diffusen Schmerzen, mal drückend, mal brennend, für die sich kein fassbares Korrelat fand, die mich aber regelmäßig verunsicherten und ratlos machten. Immer wieder tastete ich alles ab, machte immer wieder Ultraschall, entnahm Abstriche, überlegte was das sein könnte, und machte mir Sorgen. Die Patientin ging jedes Mal sichtlich zufrieden weg, obwohl ich ihr keine rechte Erklärung geben konnte, bis auf: „Ich finde nichts, was nicht stimmt“. Ihre Dauer-Replik war: „Dann ist es ja gut“. Ich fühlte mich hilflos und ohnmächtig, stöhnte wenn sie sich anmeldete, wollte sie eigentlich los werden.

Nach Vorstellung dieses Falls in der Balintgruppe klärte sich: Es war die Angst, die dahinter steckte, und gleichzeitig ihr Unvermögen, das jemand mitzuteilen, denn ihr Mann wehrte alle Gespräche ab, weil sie ja wieder gesund sei.

Die Lösung war ein festes Therapiekonzept, in Absprache mit dem behandelnden Internist: Sie kommt alle drei Monate zu einem vereinbarten Termin. Dann erfahre ich, wie zwischenzeitlich ihr Leben ausschaut, höre mir gewissenhaft alle Beschwerden an: „Dann ist da noch etwas“ (Druckgefühl, Durchfall, Ausfluss, Abgeschlagenheit), untersuche sie gründlich körperlich, bestätige dass soweit alles in Ordnung ist bzw. dass die chronischen Beschwerden als Folge der Bestrahlung zu werten sind. Frau S. kommt niedergeschlagen und klagend in die Praxis und geht relativ zufrieden hinaus. Ich fühle mich nicht mehr unter Druck gesetzt, die Beschwerden  „wegmachen“ zu müssen, sondern habe meine Aufgabe angenommen als „Zeugin“ und als „Abladestelle“. Das reicht! Frau S. hat in den letzten 24 Jahren nie mehr einen Not-Termin verlangt, der regelmäßige Kontakt alle drei Monate reicht ihr. Und ich freue mich, sie begleiten zu können bei ihrem aktiven Älter-Werden.

Diskussion

Viele Frauen, die sich immer wieder in der haus- und frauenärztlichen Praxis mit unklaren Unterleibsbeschwerden vorstellen, haben eine somatoforme Schmerzstörung. Die Situation ist belastend für die Betroffenen und die Ärzte/ Ärztinnen, weil sich trotz der oft erheblichen Beschwerden, verbunden mit Einschränkungen in der Lebensführung,  kein eindeutig fassbares Korrelat findet. Es besteht die Gefahr des „Entweder-Oder“: Entweder wird immer wieder nach organischen Befunden gesucht, z.T. mit eingreifenden operativen Maßnahmen, oder die Frauen fühlen sich abgeschoben auf die Psycho-Schiene: „Sie haben nichts, das sind die Nerven“. Es besteht die Gefahr der Chronifizierung bzw. der Falschversorgung.

Das ist auch gesundheitspolitisch bedenklich. In der Leitlinie zur somatoformen Schmerzstörung [4] besteht starker Konsens: „Die Dauer, bis eine funktionelle Störung erkannt und eine spezifische Behandlung eingeleitet wird, beträgt durchschnittlich 3–5 Jahre“. Und weiter: “Bei Patienten mit schweren Verläufen nicht-spezifischer, funktioneller und somatoformer Köperbeschwerden finden sich eine relativ niedrige störungsspezfische Behandlungsquote von ca. 40% und eine relativ hohe „Nicht-Versorgungsquote“ von ca. 60 %“. Das führt zu einer hohen „dysfunktionalen Inanspruchnahme des Gesundheitssystems“ [4].

Im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung, für die die meisten Haus- und Frauenärzte qualifiziert sind, besteht die Chance einer adäquaten Diagnostik und Behandlung. Grundlage dafür ist die Schaffung einer stabilen vertrauensvollen langfristigen Beziehung, damit sich die Patientinnen einlassen können auf die Mehrdimensionalität der Ursaschen ihrer Beschwerden und auch der Behandlung. Nur so lässt sich das „doctor-hopping“  eingrenzen. Wie schwierig das ist, weiß jede/r, der/die in der Praxis damit konfrontiert ist. Die Patientinnen haben spürbar hohe Ansprüche,  sie setzen unter Druck und sind selbst schnell enttäuscht. Das zu wissen, die Frau ernst zu nehmen und konsequent eine bio-psycho-soziale Haltung einzunehmen, kann der Beginn einer dann sehr lohnenden Beziehung sein. Das Wissen um „green“ bzw. yellow flags“ ist hilfreich, um die Schwere und die Therapieintensität einschätzen zu könne. Idealerweise gibt es zur Durchführung einer multimodalen Therapie ein lokales Netzwerk, in das man die Patientin  je nach Situation gezielt vermittelt. Die Kooperation entlastet die einzelnen Behandler/ Behandlerinnen und nützt den Patientinnen, aus „nervenden“ Patientinnen werden interessante Persönlichkeiten.

Zusammenfassung

Somatoforme Schmerzen, d.h., chronische Schmerzsyndrome ohne eindeutiges körperliches Korrelat, sind eine besondere Herausforderung in der ärztlichen Praxis. Sie treten bei Männern wie bei Frauen auf, aber Frauen berichten doppelt bis dreifach so häufig darüber,  d.h. es ist ein typisches „Frauen-Thema“. Wichtig ist eine konsequente bio-psycho-soziale Haltung von Anfang an, um der Multidimensionalität sowohl der Ursachen wie auch der möglichen Behandlung Rechnung zu tragen. Von besonderer Bedeutung und gleichzeitig schwierig ist der Aufbau einer tragfähigen verlässlichen Beziehung.
Im Beitrag soll beispielhaft auf die psychosomatischen Aspekte beim chronischen Unterbauchschmerz der Frau eingegangen werden, einem in der hausärztlichen wie in der gynäkologischen Praxis sehr häufigen Syndrom, für das in 60 bis 80 % die Diagnosekriterien der somatoformen Schmerzstörung zutrifft. Haus- und Frauenärzte/-ärztinnen mit psychosomatischer Grundversorgung haben die Chance, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und eine (iatrogene) Chronifizierung zu verhindern. Der Schwerpunkt liegt auf der adäquaten Kommunikation, der Einschätzung des Schweregrades und der darauf  basierenden abgestuften multimodalen Therapie.

Schlüsselwörter
Somatoforme Schmerzstörung, Chronischer Unterleibschmerz (CUS), Psychosomatik

Korrespondenzadresse

Dr. med. Claudia Schumann
Frauenärztin / Psychotherapie
Hindenburgstraße 26
37154 Northeim
T +49 5551 3483
E  ClaudiaSchumann@t-online.de
www.dr-claudia-schumann.de

Slide Gyne 02/2016 Psychosomatischer Umgang mit chronischen Unterleibsschmerzen

Literatur

  1. Egle UT, Nickel R. Kindheitsbelastungsfaktoren bei Patienten mit somatoformen Störungen. Z Psychosom Med Psychoanal 1998; 44: 21–36
  2. Latthe P et al., WHO systematic review of prevalence of chronic pelvic pain: a neglected reproductive health morbidity: systematic review. BMJ 2006b; 332,749–755
  3. Siedentopf F, Chronischer Unterbauchschmerz. In: Weidner K, Rauchfuß M, Neises M (Hrsg.). Leitfaden psychosomatische Frauenheilkunde, Köln, Deutscher Ärzte-Verlag 2012
  4. Hausteiner-Wiehle C, Schäfert R, Häuser W, Herrmann M, Ronel J, Sattel H, Henningsen P (Steuerungsgruppe): S3-Leitlinie zum Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden, AWMF-Reg.-Nr. 051/ 0001,  Kurzfassung.  Stuttgart  Schattauer Verlag  2012
  5. Schaefert R, Hausteiner-Wiehle C et alt. Klinische Leitlinie: Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Dtsch Ärztebl 2012; 47: 803–813
  6. Siedentopf F, Kölm P, Kentenich H. Chronischer Unterbauchschmerz der Frau, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe  Berlin 2011, Verlag S.Kramarz
  7. Siedentopf  F. Chronische Schmerzsyndrome in der gynäkologischen Praxis: Endometriose und Fibromyalgiesyndrom. Geburtsh Frauenheilk 2012;72: 1092–1098
  8. Mark H et al. Gynecological symptoms associated with physical and sexual violence.
    J Psychosom Obstet Gynaecol 2008; 29: 164–172
  9. Meltzer-Brody S et al. Trauma and posttraumatic stress disorder in women with chronic pelvic pain. Obstet Gynecol 2007; 1: 7–32
  10. Rapaehl Kg, Widom CS, Lange G. Childhood victimization and pain in adulthood: a prospective investigation. Pain 2001; 92: 283–293
  11. Hennigsen P, Zipfel S, Herzog W. Management of functional somatic syndroms. Lancet 2007; 269: 946–55
  12. Meiser E.M. Rehabilitation somatoformer Schmerzen bei komorbider Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).  Ärztliche Psychotherapie 2009; 4: 164–166

Pille danach – 2015

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Pille danach: Was zählt ist die Zeit!
21.01.2015

Frauenärztinnen sind nicht klüger als ihre Patientinnen

Wenn die Pille danach ohne Rezept in der Apotheke erhältlich ist, spielt die Kompetenz der Frau eine noch größere Rolle. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) setzt auf die Eigenverantwortung der Frau und tritt für eine umfangreiche Beratung ein.

Northeim/Hamburg, 21. Januar 2015

„Wir müssen dafür sorgen, dass jede Frau und jedes Mädchen weiß: Wenn etwas in der Verhütung schief geht, muss ich mir schnellstmöglich die Pille danach holen“, betont Dr. Claudia Schumann, Frauenärztin und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Eine ausführliche Kontrazeptions-Beratung in der frauenärztlichen Sprechstunde sieht sie als bestmögliche Grundlage: Gut informiert können Frauen selbst erkennen, wie sie sich schützen können und wann sie sich Sorgen machen müssen, ungewollt schwanger geworden zu sein. „Da die Wirkung der Pille danach entscheidend davon abhängt, dass sie möglichst schnell nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen wird, begrüßen wir die mit der Rezeptfreigabe verbundene Erleichterung des Zugangs“, so die Gynäkologin.

Gerade junge Frauen würden oft aus Scham den rechtzeitigen Gang in die Notfallambulanz scheuen, wenn ihr Frauenarzt nicht verfügbar sei, weiß Dr. Wolf Lütje, Chefarzt einer Hamburger Frauenklinik und Präsident der DGPFG: „Damit geht Zeit verloren!“

Viele Frauenärztinnen und -ärzte bedauern, dass die Chance für die ärztliche Beratung bei der Notfall-Kontrazeption mit der Rezeptfreigabe entfällt. Diese Beratung kann einer Frau bei der Entscheidung helfen, ob sie die Pille danach wirklich nehmen muss. Außerdem ermöglicht sie das Ansprechen anderer Probleme. Da aber bewiesen sei, dass die Pille danach ungefährlich und kaum mit Nebenwirkungen behaftet sei, sei selbst eine „unnötige Einnahme“ kein Problem, so Dr. Schumann. „Es gilt: Lieber einmal zu oft genommen – als zu spät oder gar nicht!“ Und natürlich kann auch nach der Rezeptfreigabe jede Frau, die Fragen zur Notfall-Verhütung hat oder sich Sorgen um eine Infektion macht, weil das Kondom gerissen ist, zum Frauenarzt/zur Frauenärztin gehen.

Darauf müssen auch Apothekerinnen und Apotheker hinweisen, die ab März die Pille danach abgeben werden. „Für weitere Kontroversen zwischen Ärzten und Apothekern ist jetzt keine Zeit“, betont Dr. Wolf Lütje. „Wir müssen zusammen dafür sorgen, dass ungewollte Schwangerschaften sicher verhindert werden!“ Die Apothekerinnen und Apotheker verfügen über ein breites pharmakologisches Wissen und über Beratungserfahrung. Natürlich ist die Notfall-Kontrazeption eine besondere Situation, die spezialisiertes Wissen und besonderes Einfühlungsvermögen verlangt. Die DGPFG bietet daher an: „Für die geplanten Schulungen der Apothekerverbände stellen wir gern unser frauenärztliches Wissen und unsere psychosomatische Beratungskompetenz zur Verfügung.“

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
Frauenärztin/Psychotherapie
Vizepräsidentin der DGPFG (Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde)
Hindenburgstraße 26
37154 Northeim
T +49 5551 4774
F +49 5551 2115
M +49 170 7322580

 

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
Frauenärztin/Psychotherapie
Vizepräsidentin der DGPFG (Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde)
Hindenburgstraße 26
37154 Northeim
T +49 5551 4774
F +49 5551 2115
F +49 170 7322580

 

Slide DGPFG-Stellungnahme Pille danach

Social Freezing – 2014

https://dgpfg.de/wp-content/uploads/2017/02/dgpfg-stellungnahme-social-freezing-2014.pdf

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Social Freezing

17.10.2014

„Social freezing“ – ein familienpolitisches Desaster und medizinisch nicht akzeptabel!

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) warnt vor einer unüberlegten Zustimmung zu einer „arbeitgeberfreundlichen“ Familienplanung, die das Selbstbestimmungsrecht von Frauen aushöhlt.

Hamburg, 17. Oktober 2014

Karriere und Kinderkriegen verträgt sich nicht „nebeneinander“, wenigstens nicht für Frauen. Also einfach „nacheinander“? Dagegen spricht die Biologie, denn Frauen über 35 Jahre haben weniger Chancen schwanger zu werden. Der medizinische Fortschritt verspricht Abhilfe: Eizellen mit 25 Jahren einfrieren, um sie mit 40 zu nutzen. Ist diese Entwicklung tatsächlich ein weiterer Schritt für die Selbstbestimmung von Frauen, ein Ausweg aus dem Dilemma?

„Social freezing“ erzeugt Druck auf junge Frauen 

Dr. Claudia Schumann, Vizepräsidentin der DGPFG, sieht die Kehrseite der Medaille: „So belastend ein unerfüllter Kinderwunsch ist, gerade wenn sich die Frau erst spät an die Realisierung gemacht hat, so kann das sogenannte „social freezing“ nicht die Lösung sein. Dieses Angebot verstärkt den Machbarkeitswahn, dass gesunde Kinder einfach organisierbar sind. Mit dieser Aussicht werden in Zukunft die Anstrengungen eher reduziert werden, gemeinsam die Chancen für eine Vereinbarung von Beruf und Kindern zu verbessern. Dies gilt für Frauen wie für Männer. „Social freezing“ setzt Frauen noch mehr unter Druck, ihre weiblichen Seiten zu verdrängen und zu funktionieren“.

Medizinische Optionen werden fehlgeleitet
Die Methode, Eizellen zu konservieren, wurde primär für jüngere Frauen entwickelt, die sich einer aggressiven Krebsbehandlung unterziehen mussten. Da bei einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie oft die Eierstöcke irreversibel geschädigt werden, wurden einzelne Eizellen bei ihnen vor der Behandlung entnommen und auf Eis konserviert („freezing“), um sie dann nach der Gesundung und bei späterem Kinderwunsch nutzen zu können. In diesen Fällen ist der Vorgang also eine gute Methode, die sicher auch die Genesung positiv unterstützt.

Da bekannt ist, dass die weiblichen Eizellen auch einfach durch das „Älterwerden“ der Frau Schaden nehmen, lag die Idee nicht fern, für diesen Fall vorzusorgen. Das Angebot, bei unerfülltem Kinderwunsch dann einfach auf tiefgefrorene Eizellen zurückzugreifen, die sie sich in jüngeren Jahren hat entnehmen lassen, halten wir aus psychosomatischer Sicht für nicht akzeptabel, zumal er mit durchaus belastenden Eingriffen verbunden ist. Außerdem kann dies junge Frauen massiv unter Druck setzen: Ist es bald beim Vorstellungsgespräch nützlich, ein Zertifikat über eingefrorene Eizellen vorzulegen, um dieselben Chancen wie der männliche Bewerber zu erhalten? Die Option, Kinder nach Plan in die Karriere einzubauen, verspricht mehr Chancen, behindert aber in Wirklichkeit einen selbstbewussten Lebensentwurf.

„Social freezing“ hebelt die Gleichberechtigung aus
Unabhängig von der individuellen Lösungsstrategie droht „social freezing“ die gesellschaftliche Realität zu beeinflussen: Während aktuell viel für das Wahrnehmen der unterschiedlichen weiblichen und männlichen Fähigkeiten zugunsten einer tatsächlichen Gleichberechtigung getan wird, dreht „social freezing“ das Rad wieder zurück: „Frauen sind wie Männer – zumindest bis 40!“ Ist das ein Fortschritt oder ein Alptraum?

Dr. Wolf Lütje, Präsident der DGPFG und Chefarzt einer Hamburger Frauenklinik, warnt: „Wir müssen alle Anstrengungen fördern, dass Frauen frühzeitig ihren Kinderwunsch erfüllen und im Beruf bleiben können. Sie dabei zu unterstützen, ist ein wichtiger gesellschaftlicher Auftrag, der allen nützt. Gerade die Kompetenz und Erfahrung von Müttern, die zielgerichtet Schwerpunkte setzen und ihre Kraft gut einteilen können, möchte ich nicht missen. Späte Mutterschaft ist schön, sollte aber nicht das Ziel sein.“

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
Frauenärztin/Psychotherapie
Vizepräsidentin der DGPFG
(Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde)
Hindenburgstaße 26
37154 Northeim
T +49 5551 4774
F +49 5551 2115

 

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

Slide DGPFG-Stellungnahme Social Freezing

Unwort des Jahres: Kaisergeburt – 2014

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Unwort des Jahres: Kaisergeburt

07.01.2014

Man muss sich das wie folgt vorstellen: Ein Operateur bereitet die Bauchdecken der Mutter so vor, dass es hierüber unter Anteilnahme der Eltern zur Pseudo-„Spontangeburt“ des Kindes kommt. Was liegt näher diesen Akt als Chimäre von Kaiserschnitt und Geburt, sprich als„Kaisergeburt“ zu bezeichnen. Völlig losgelöst von den Rahmenbedingungen und Voraussetzungen, der grundsätzlichen Möglichkeit, dem Sinn und Unsinn, wohlgemeintem oder aber hinterlistigem Ansinnen dieses Vorgehens: Wer solche euphemistischen Neologismen in die Welt setzt, muss sich klar werden, was er damit anrichtet. Zum einen wird sprachlich mindestens eine Gleichstellung der natürlichen und der operativen Geburt geschaffen und damit die Tür geöffnet – auf allen zum Teil noch unerforschten Ebenen bis hin zur Aufklärung – die Spontangeburt als überholt zu verwerfen. Selbst „Geburtserleben“ und „Bonding“ ist nun vollumfänglich im OP gestaltbar und damit ein psychologisches Argument gegen den Kaiserschnitt scheinbar hinfällig geworden.

Kaisergeburt suggeriert aber auch, dass es unkaiserliche Geburten geben muss.

Sind das dann „Bettlergeburten“ bei denen Frauen all der Ungemach von Schmerz, Angst und Erschöpfung zugemutet wird, weil man ihnen das kaiserliche Gebären versagt??

Es wundert mich nicht, dass es Geburtsmediziner und nicht Psychosomatiker sind, welche solche Ideen entwickeln. Letztere können in Anbetracht solcher Surrogate nur warnend den Finger heben. Es gibt keinerlei Forschung, ob das direkte Erleben der Schnittentbindung nicht sogar nachteilige, möglicherweise sogar traumatisierende Effekte hat. Die Spontangeburt ihres Kindes kann eine Frau regelhaft auch nicht beobachten, und das wird seinen Sinn haben. Ob dieser „Ausgleich“ für entgangenes Geburtserleben demnach nicht sogar ein trojanisches Pferd ist, weiß kein Mensch.

Hinzu kommt, dass die „Kaisergeburt“ Zeit und Planbarkeit voraussetzt. Das kommt den organisatorischen Nöten von Klinikbetrieben entgegen, welche mit der Philosophie der Kaisergeburt ein psychologisches Deckmäntelchen bekommen. Folge der Planung sind aber auch mehr anpassungsgestörte Säuglinge, denen eine Kaisergeburt eher die Trennung von den Eltern beschert, denn ein unmittelbares Bonding. Alles hat eben seinen Preis!

Nebenbei sei bemerkt, dass zunehmend auch andere Bereiche der Psychosomatik missbraucht werden. Geburtsängste werden hochgespielt und mit dem Lösungsansatz „Kaiserschnitt“ instrumentalisiert. Dabei lassen sich diese Ängste besprechen und behandeln. In den seltensten Fällen ist die Sektio eine echte Lösung.

Fazit: Ein Kaiserschnitt wird nie etwas anderes sein als eine operative Geburt, zukünftig wahrscheinlich die mit Abstand häufigste Operation am offenen Bauch weltweit. Nichts spricht gegen das Ausschalten der OP-Leuchten und das unmittelbare und langzeitig ungetrennte Bonding im OP. Kein Mensch muss hingegen die Geburt aus der Bauchdecke sehen. Und Säuglinge wünschen sich eine babybestimmte Geburtshilfe, die den Kaiserschnitt als segensreichen, gerne auch psychologisch motivierten Notfalleingriff versteht.

Wolf Lütje

Ansprechpartner

Dr. Wolf Lütje
Präsident der DGPFG

Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Haselkamp 33
22359 Hamburg

T +49 40 64411-421
F +49 40 64411-312
E w.luetje@amalie.de

Slide DGPFG Stellungnahme Unwort des Jahres Kaisergeburt

Nicht-Invasive Pränataldiagnostik (NIPD) – 2013

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Nicht-Invasive Pränataldiagnostik (NIPD)
19.12.2013

„Ihr Kinderlein kommet“ – wie gilt das im Jahre 2014?

Die neuen Methoden der nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) können Segen oder Fluch sein, sie berühren das gesellschaftlich relevante Thema „Inklusion“ – so die aktuelle Stellungnahme der DGPFG zum Fest der Geburt.

Hamburg/Hannover, 19. Dezember 2013

„Die neuen Bluttests zur pränatalen Diagnostik beinhalten janusköpfig Chancen und Risiken. Auch wenn es für die einzelne Schwangere ein Segen sein kann, früh und ungefährlich eine sichere Aussage darüber zu erhalten, ob ihr Kind eine Trisomie hat oder nicht, kann diese neue Technik gefährliche Folgen haben für den Umgang mit Schwangerschaft und sich negativ auswirken auf das gesellschaftliche Klima gegenüber Behinderung“, konstatiert die Frauenärztin Dr. Claudia Schumann, Vorstandsmitglied der DGPFG (Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe).

NIPD: Sichere Aussagen ab der 10. Schwangerschaftswoche
Die neuen Methoden der nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) versprechen sichere Aussagen ohne Gefährdung der Schwangerschaft: Durch einen Test aus dem Blut der werdenden Mutter kann schon ab der 10. Schwangerschaftswoche erkannt werden, ob das erwartete Kind eine Trisomie hat, das heißt eine der häufigsten genetisch bedingten Behinderungen. Der Segen: Frühe Entwarnung für viele Frauen, die sich bislang wochenlang Sorgen machen, und außerdem Rückgang der Fehlgeburten, die durch Fruchtwasserpunktionen „auf Verdacht“ verursacht wurden. Der Fluch: Gerade die Ungefährlichkeit der Methode kann zum genetischen „Screening“ aller Ungeborenen führen, und in der Folge zu einer Geburts-Verhinderung von Menschen mit Trisomie. Diese Option der „Selektion“ kann sich auf andere genetische Abweichungen erweitern. Es ist leicht vorstellbar, dass diese Entwicklung zur Diskriminierung von Behinderung beiträgt und die gültige Verpflichtung zur Inklusion aushöhlt.

Vorgeburtliche Untersuchung ohne Risiken einer Fruchtwasserentnahme
Die meisten werdenden Mütter wünschen sich ein gesundes Kind. „Guter Hoffnung sein“ hieß das früher. Die Hoffnung wurde in den letzten 40 Jahren durch immer feinere Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik abgelöst. Mithilfe von Ultraschall und Bluttests kann derzeit ab der 12. Schwangerschaftswoche die Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie des Ungeborenen berechnet werden. Ist sie hoch, kann die endgültige Diagnose bislang nur mithilfe einer Fruchtwasserentnahme gestellt werden, da man nur so an die kindlichen Chromosomen kommt. Zu Recht haben viele Frauen Angst vor diesem Eingriff, denn es besteht ein Risiko von 0,5 bis 1 Prozent, dass dadurch eine Fehlgeburt ausgelöst wird. Das bedeutet zum Beispiel konkret: Wenn bei 300 Schwangerschaften, bei denen ein Trisomie- Risiko von 1 : 300 besteht, eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt wird, wird damit das eine Kind mit Trisomie erkannt, bei 299 Fällen gibt es eine Entwarnung, aber in 2 bis 3 Fällen kommt es unnötig zur Fehlgeburt. Da die Fruchtwasseruntersuchung erst ab der 14./15. Woche gemacht werden kann, hat die Schwangere bis dahin schon eine lange Zeit der Aufregung hinter sich.

Die neue nicht-invasive Pränataldiagnostik beruht auf einer sensationellen Erkenntnis: Im mütterlichen Blut schwimmen schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft fetale Chromosomenanteile, die man extrahieren und dann direkt untersuchen kann, das heißt man hat jetzt völlig ungefährlich Zugriff auf das fetale Erbgut.

Neue Methoden werben für frühen Einsatz bei allen Schwangeren
In Deutschland wurde als erstes im Sommer 2012 der Praenatest eingeführt, inzwischen gibt es den Panorama-Test und zuletzt den Harmony-Test. Die Namen sprechen für sich. Während anfangs die NIPD erst ab der 12. Woche eingesetzt werden sollte und nur in sogenannten Risikogruppen – Alter der Mutter über 35 Jahre, auffällige Voruntersuchungen – werben die neuen Methoden für einen frühen Einsatz bei allen Schwangeren. Parallel dazu sinken die Preise, von anfangs circa 1.400 Euro auf jetzt noch knapp 500 Euro. Einige Krankenkassen übernehmen auf Antrag die Kosten. Nach den bislang vorliegenden Studien sind die Tests tatsächlich sehr verlässlich, die Fehlerrate liegt unter 1 Prozent. Das heißt, es ist extrem selten, dass eine Trisomie übersehen oder falsch diagnostiziert wird. Zwar wird bei auffälliger NIPD derzeit noch eine Fruchtwasserpunktion empfohlen um die Diagnose zu sichern, aber die Indikation dafür wird viel seltener gestellt werden.

Kritik: Druck von Außen und Gefahr der Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen
Kritische Stimmen warnen: Der Segen ist teuer erkauft! Gerade weil die Untersuchung so harmlos ist, kann es schnell zu einem breiten Einsatz führen, zu einem allgemeinen Screening auf „Abweichung“ und in der Folge zu vielen Schwangerschaftsabbrüchen. Denn bekannt ist, dass mehr als 95 Prozent der Frauen sich bei der Diagnose „Trisomie“ für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden; das wird bei früher Entdeckung eher zunehmen. Dr. Wolf Lütje, Frauenarzt und Präsident der DGPFG, fragt: „Was kommt als Nächstes, welche Abweichung wird noch feststellbar, in welche Entscheidungs-Situationen werden Frauen in Zukunft hineingeraten? Darf eine Frau noch einfach guter Hoffnung sein, oder wird der Druck auf Schwangere zunehmen, Pränataldiagnostik in Anspruch zu nehmen? Geraten auch wir Frauenärzte und –ärztinnen immer mehr unter Druck, alles anbieten zu müssen? Wird es eine Diskriminierung der Dennoch-Geborenen und ihrer Mütter geben:

„So etwas muss es doch nicht mehr geben?“ Fragen, die nicht nur die werdenden Eltern angehen, sondern breiter gesellschaftlich diskutiert werden müssen.

Ziel der DGPFG: Inklusion für Ungeborene gesellschaftlich verankern!
Für die DGPFG fordert Dr. Wolf Lütje: „Ziel muss sein, das Gebot der Inklusion auch für Ungeborene gesellschaftlich so zu verankern, dass Schwangere wirklich selbstbestimmt entscheiden können, was sie von ihrem Kind wissen wollen.“ In diesem Sinn will die DGPFG das Thema mehr in die Öffentlichkeit tragen, und sie will die Erarbeitung einer neuen Leitlinie zur Pränataldiagnostik anstoßen.

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Slide DGPFG-Stellungnahme Nicht-Invasiven Pränataldiagnostik (NIPD)

Studie zu Hormonen in den Wechseljahren – 2012

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Studie zu Hormonen in den Wechseljahren
22.02.2012

Frauenärztinnen sind nicht klüger als ihre Patientinnen

Aktuelle DGPGF-Studie: Auch die „Profis“ gehen vorsichtig mit Hormonen um und sehen die Wechseljahre als „normale Lebensphase, auf die sich Frauen einstellen müssen“/Psychosomatische Betreuung kommt bei den Patientinnen gut an

Berlin/Northeim, 22. Februar 2012

Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen – diese Symptome begleiten viele Frauen zwischen 40 und 65. Ein Gang zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt kann in solchen Situationen weiterhelfen oder enttäuschen, wenn die GesprächspartnerInnen kurz angebunden sind und schnell eine Hormontherapie empfehlen.

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG), die Ende 2011 veröffentlicht wurde und gut 1000 Frauen befragt hat, ergab: Neben der Information über Symptome und Verlauf der Wechseljahre bewerten die Frauen vor allem das „Eingehen auf die persönliche Situation“ als hilfreich. Und genau dies ist die Devise der an der Studie beteiligten Frauenärztinnen, die alle bewusst einen ganzheitlichen, psychosomatischen Umgangsstil vertreten.

In der Behandlung von Wechseljahres-Symptomen waren sich die an der Studie beteiligten knapp 50 Frauenärztinnen einig. Sie setzen in ihrem Beruf Akzente, die sie auch persönlich als hilfreich erleben: Beschwerden ernst nehmen, psychosoziale Hintergründe berücksichtigen, die Eigenkompetenz stärken, über Ernährung und Sport informieren, Risiken und Nutzen einer Hormontherapie erläutern, für das Thema Sexualität offen sein.

Dass diese authentisch zugewandte Behandlung bei den Patientinnen ankommt, ließ sich anhand der Studie nachweisen. 90 Prozent der befragten Frauen fühlten sich gut informiert und gestärkt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Bemerkenswert ist ein Detail aus der Befragung der Frauenärztinnen: Der Anteil der Frauenärztinnen, die selbst Hormone einnehmen, entsprach mit circa 20 Prozent dem ihrer Patientinnen, während in früheren ähnlichen Befragungen die Frauenärztinnen doppelt bis dreimal so häufig selbst Hormone genommen haben. „Das bedeutet, dass die Frauenärztinnen für sich selbst genauso sorgen wie für ihre Patientinnen“, ist das Fazit von Dr. Claudia Schumann. Die Frauenärztin aus Northeim/Niedersachsen, Vorstandsmitglied der DGPFG mit Sitz in Berlin, hat mit anderen niedergelassenen Frauenärztinnen die bundesweite Studie initiiert und ausgewertet.

Bei aller Übereinstimmung gab es jedoch auch große Unterschiede: Die befragten Frauenärztinnen gehen aktiver mit den Wechseljahren um. Sie treiben deutlich mehr Sport, um gesund alt zu werden, und verbinden mit diesem Lebensabschnitt häufiger die Chance für neue Ziele und Möglichkeiten. Außerdem sind sie eher bereit für eine lokale Hormonbehandlung, die hilfreich ist bei sexuellen Beschwerden aufgrund der oft trockenen und empfindlicheren Scheidenschleimhaut.

Die beteiligten Ärztinnen sehen im Studienergebnis einen Auftrag für die Zukunft. „Wir werden unsere Patientinnen noch aktiver als bisher auf die Wechseljahre ansprechen und versuchen, ihnen eine Mischung aus Gelassenheit und Neugier auf diese Zeit zu vermitteln“, so Schumann. Ein entsprechendes Info-Blatt, das Frauenärztinnen an ratsuchende Frauen weitergeben können, wurde von der Studiengruppe entwickelt. Es ist auf der Homepage der DGPFG www.dgpfg.de veröffentlicht.

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Slide DGPFG-Stellungnahme Studie Wechseljahre

Gendiagnostikgesetz – 2010

DGPFG Logo

Offener Brief der DGPFG
Gendiagnostikgesetz

01.12.2010

An den Vorstand der DGGG
An die Mitglieder der Gendiagnostikgesetz-Kommission (GEKO)

Sehr geehrte Damen und Herren,

die DGPFG (Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe) begrüßt die Intention des Gendiagnostik-Gesetzes, dass Schwangere im Rahmen von PND umfassender als bisher beraten werden sollen. Damit können sie sich verantwortlich für oder gegen die einzelnen Maßnahmen entscheiden. Die GEKO Gendiagnostik-Kommission hat mit der Umsetzung des Gesetzes in die Praxis eine äußerst schwierige Aufgabe übernommen.

Mit Blick auf die Zusammensetzung der GEKO hatten wir als Fachgesellschaft schon im Frühjahr 2010 unsere Bereitschaft erklärt, uns bei der erforderlichen Qualifikation für Frauenärztinnen und Frauenärzte zu beteiligen. Auf sie wird der Hauptanteil der Beratung im Rahmen von ETS, Fein- Ultraschall und Amniocentesen entfallen. Die DGPFG bietet seit Jahren erfolgreich bundesweit Curricula an für die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in der psychosomatischen Grundversorgung. Dabei geht es immer auch um die Reflexion der Arzt-Patientin-Beziehung in schwierigen Situationen.

Jedoch: Eine aktuelle Presseerklärung der FMF Fetal Medicine Foundation warnt im Hinblick auf die erforderliche hohe Zahl der entsprechend fortzubildenden Frauenärzteschaft vor „Engpässen in der Elternversorgung“. Prof. Merz, Präsident der FMF, fordert deshalb in der Mitteilung „keine zeitintensive Qualifikation“. Die FMF hält eintägige Kurse für ausreichend.

Dies veranlasst uns zu einer erneuten Stellungnahme:

Wir fürchten um die Qualität der vom Gesetzgeber geforderten Beratung, die aus unserer Sicht sehr unterschiedliche Aspekte beinhaltet. Neben der Informationsvermittlung über die genetischen Grundlagen und die medizinischen Verfahren bzw. Konsequenzen der Pränataldiagnostik bedarf es immer auch einer individuellen psychosozialen Beratung. Sie berührt die Themen der ethischen Fragen von PND und den eventuell damit verbundenen Konsequenzen. Nur mit diesem Hintergrund können Frauen entscheiden, was sie von ihrem Kind wissen wollen.

Beides – Information und Beratung – lässt sich nicht voneinander trennen, wenn man erreichen will, dass die Frau bzw. das Paar gerade in diesem schwierigen Sachgebiet eine „informierte Entscheidung“ treffen soll. Dafür brauchen Frauenärztinnen und Frauenärzte jedoch spezielle kommunikative Fähigkeiten, angewendet auf die Problematik der pränatalen Diagnostik. Es geht um komplexe Fragen wie Erwartungen an das Ungeborene, Verantwortung für den Ausgang der Schwangerschaft, Umgang mit Unsicherheit sowie Risiko und Angst vor Behinderung. Außerdem sollten die Ärztinnen und Ärzte trainiert sein für die Kommunikation einer „schlechten Nachricht“, falls Auffälligkeiten gefunden werden. Wünschenswert ist zudem eine Selbstreflexion über den eigenen Standpunkt zur Pränataldiagnostik. Das alles ist mit Sicherheit nicht an einem Tag neben der sicher von allen Beteiligten akzeptierten umfangreichen genetischen/medizinischen Qualifikation zu vermitteln!

Die DGPFG als Fachgesellschaft bietet an, zusammen mit Fachleuten anderer Disziplinen an einem aus unserer Sicht eher mehrtägigen, umfassenden Curriculum mitzuarbeiten und sich für dessen Umsetzung einzusetzen.

Dr. med. Claudia Schumann
(für den Vorstand der DGPFG)


Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Slide Offener Brief der DGPFG Gendiagnostik

Lücke in der Gendiagnostik – 2010

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Lücke in der Gendiagnostik
04.05.2010

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) fordert psychosomatische Beratungskompetenz für Frauenärztinnen und -ärzte, die Schwangere über pränataldiagnostische Untersuchungen aufklären.

Berlin, 4. Mai 2010

Seit dem 1. Februar 2010 ist das Gendiagnostikgesetz in Kraft. Es hat unter anderem das Ziel, dass jede Schwangere vor einer pränataldiagnostischen Untersuchung umfassend aufgeklärt wird. Das Gesetz sieht vor, dass jeder Patientin klar ist, nach welchen gesundheitlichen Auffälligkeiten beim Fetus gesucht wird. Keine Frau soll unerwartet mit negativen Informationen über ihr Ungeborenes konfrontiert werden. Denn der Wunsch, „doch nur wissen zu wollen, ob alles in Ordnung ist“, hat in der Vergangenheit viele Frauen und Paare unvorbereitet vor schwerwiegende Entscheidungen über den Fortgang der Schwangerschaft gestellt.

Nach Inkrafttreten des Gesetzes wurde eine Gendiagnostik-Kommission eingerichtet, um unklare Einzelheiten zu regeln. Einige Beispiele: die Abgrenzung zum „normalen“ Ultraschall, die ausführliche ärztliche Dokumentationspflicht sowie die inhaltliche Definition der Aufklärung und genetische Beratung.

Auch Einzelheiten der aufklärenden Beratung müssen noch definiert werden. Hier weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) auf eine problematische Situation hin: „Bei der Aufklärung und Beratung im Rahmen der Pränataldiagnostik geht es nicht nur um Informationen, sondern den Frauen muss klargemacht werden, dass ihre Entscheidung dafür oder dagegen einen ethisch schwierigen Konflikt auslösen kann“, sagt Dr. Claudia Schumann, Frauenärztin aus Northeim und Mitglied im Vorstand der DGPFG. Natürlich habe jede Frau das Recht, sich über Gesundheit und Entwicklung des ungeborenen Kindes zu informieren. „Aber es kann Konsequenzen haben, weitere Informationen über das Kind zu erhalten“, so die Fachärztin. Falls das Ungeborene nicht normal entwickelt sei und sich die Frau den Belastungen nicht gewachsen fühle, stünde im Hintergrund neben eher seltenen Therapieoptionen immer auch die Option zu einem Schwangerschaftsabbruch. Schwierig werde auch eine Entscheidung, wenn das Ergebnis Unsicherheiten enthalte.

„Gerade die Aufklärung im Rahmen des sogenannten ETS (Ersttrimester-Screening) im dritten Monat stellt die Weichen für den Umgang der werdenden Mutter mit Pränataldiagnostik“, berichtet Schumann. „Diese Beratung ist überwiegend Sache der betreuenden Frauenärzte, denn die Schwangeren nehmen erfahrungsgemäß nur im Ausnahmefall eine externe psychosoziale Beratung in Anspruch.“ Das verlange von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt, empathisch zu sein, auf der rationalen und emotionalen Ebene kommunizieren zu können und die eigenen ethischen Werte zu hinterfragen. „Diese Aspekte müssen von der Gendiagnostik-Kommission berücksichtigt werden“, fordert deshalb die DGPFG.

Die Gesellschaft bedauert, dass der Kommission bisher keine Experten aus der Psychotherapie, Psychosomatik oder der psychosomatischen Frauenheilkunde angehören. Um diese Lücke zu schließen, bietet die DGPFG ihr Fachwissen an und ist gerne bereit, entsprechende Fachleute zu benennen.

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Slide DGPFG-Stellungnahme Lücke in der Gendiagnostik

Honorierung von Psychosomatik in der Praxis – 2009

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Honorierung von Psychosomatik in der Praxis

04.03.2009

Beim Frauenarzt läuft die Stoppuhr

In frauenärztlichen Praxen wird seit Jahresbeginn die Zeit für persönliche Gespräche knapp. Auf der Strecke bleibt immer häufiger die ganzheitliche Betreuung von problembehafteten Patientinnen wie Risikoschwangere, Frauen mit chronischen Unterleibsbeschwerden und Krebspatientinnen.

Berlin, 4. März 2009

Mia W. (Name geändert) hat Glück gehabt. Die 35-Jährige, die im vorigen Jahr nach zwei Fehlgeburten ihr erstes Kind entbunden hat, wurde von ihrer Frauenärztin während der Schwangerschaft umfassend betreut. Ein Mal in der Woche führte die Ärztin mit ihr ein sogenanntes „psychosomatisches“ Gespräch. So bewältigte Mia W. aufflammende Ängste, der Körper könne wieder nicht mitspielen. Ihre Anspannung legte sich und sie gewann das Vertrauen in ihren Körper zurück. „Tender-loving-care“, die fürsorgliche Unterstützung, ist als Fehlgeburtsprophylaxe hoch angesehen – nur das Abrechnungssystem der Krankenkassen, das seit Anfang des Jahres gilt, sieht dafür keine Zeit mehr vor.

Was ist passiert? Seit dem 1. Januar 2009 gibt es für frauenärztliche Praxen neue Abrechnungsmodalitäten. Das sogenannte „Regelleistungsvolumen“ wurde eingeführt. Das heißt, dass die Praxen im Quartal einen festen Betrag für eine durchschnittliche Zahl von Patientinnen erhalten. Er liegt je nach Bundesland zwischen 15,50 und 19,50 Euro pro Frau. Alle Leistungen inklusive der kostenintensiven Ultraschalluntersuchungen sind damit abgegolten. Längere psychosomatische Gespräche können – anders als bei den Allgemeinärzten – nicht als zusätzliche Gesprächsleistung abgerechnet werden.

Deshalb befürchtet die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG), mit knapp 900 Mitgliedern eine der bundesweit stärksten psychosomatischen Fachgruppen, dass sich Frauenärztinnen und –ärzte unter dem steigenden finanziellen Druck die zeitlich aufwendigen Gespräche nicht mehr leisten können – zum Schaden der Patientinnen.

„Die ganzheitliche Betreuung in der frauenärztlichen Praxis ist gefährdet“, so Dr. Claudia Schumann, Mitglied im Vorstand der DGPFG. „Die neue Regelung ist völlig unverständlich, denn man geht davon aus, dass fast die Hälfte der gynäkologischen Patientinnen über Beschwerden klagen, die körperliche und seelische Ursachen haben!“ Daher gehöre die „psychosomatische Grundversorgung“ gerade bei den Frauenärztinnen und –ärzten im Gegensatz zu allen anderen Facharztgruppen verpflichtend zur Ausbildung.

Das Nachsehen haben die Patientinnen. Das sind Schwangere wie Mia W., die aufgrund früherer Fehlgeburten für einen guten Ausgang der Schwangerschaft viel professionelle Unterstützung brauchen. Oder Frauen mit chronischen Unterleibsschmerzen, bei denen es wichtig ist, die Zusammenhänge zwischen Belastung und Schmerzen zu klären, statt sie gleich zur operativen Diagnostik einzuweisen. Oder Krebspatientinnen, die immer wieder neben der gründlichen Untersuchung stärkende Gespräche benötigen.

Die DGPFG fordert deshalb dringend eine angemessene Vergütung der psychosomatischen und auch speziell der psychoonkologischen Betreuung in der ärztlichen Praxis. Damit ein längeres Gespräch mit der Frauenärztin, dem Frauenarzt nicht zu einem wohl kalkulierten Ausnahmefall wird.

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

 

Slide DGPFG-Stellungnahme Honorierung von Psychosomatik in der Praxis

Geschlechtertest – 2007

DGPFG Logo

DGPFG-Stellungnahme
Geschlechtertest

15.11.2007

Zur Auswahl: Mädchen oder Junge?

Seit Juni 2007 ist es via Internet möglich, durch einen einfachen Test das Geschlecht des werdenden Kindes vorauszusagen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) warnt vor dieser Praxis. Sie befürchtet Schwangerschaftsabbrüche, wenn das Geschlecht nicht „passt“.

Berlin, 15. November 2007

Frühestens ab dem vierten Monat können Ärzte bislang das Geschlecht eines werdenden Kindes per Ultraschall voraussagen. Wer nicht so lange warten will: Eine frühe pränatale Geschlechtsbestimmung wird immer einfacher. Ein DNA-Abgleich im Blut der Mutter macht es möglich. Erforderte bislang das Angebot der deutschen Firma PlasmaGen AG die Blutabnahme in der ärztlichen Praxis, , so ist jetzt der Test für Zuhause erhältlich. Einfach den Test unter www.tellmepinkorblue.com bestellen, einige Tropfen Blut auf eine Karte tupfen und abschicken. Das Resultat kommt wenige Tage später, eine „Geld-zurück-Garantie“ – sollte das Ergebnis nicht zutreffen – ist inbegriffen. Sieben Wochen nach der Empfängnis sei das Geschlecht klar, verspricht die Firma aus Kalifornien. Die Firma PlasmaGen AG www.maedchenoderjunge.de wirbt damit, dies ab der 10. Schwangerschaftswoche checken zu können. Das Ergebnis erhält der beteiligte Frauenarzt. Nicht vor Ende der 14. Schwangerschaftswoche soll er die Schwangere informieren, also nach Ablauf der Frist zum frühen Schwangerschaftsabbruch.

Warum geben Frauen Geld aus für die Gewissheit, die sie wenige Wochen später erhalten und nicht mehr ändern können? Oder ziehen sie doch Konsequenzen daraus – wird die Hürde für einen Schwangerschaftsabbruch niedriger? In gesellschaftlichen Systemen, in denen Mädchen unerwünscht sind, gehört eine Abtreibung der weiblichen Föten zur gängigen Praxis. Sie hat fatale demografische Folgen: In Indien kommen auf 100 geborene Mädchen 140 bis 150 Jungen.

Dr. Claudia Schumann, Mitglied im Vorstand der DGPFG: „Hierzulande wird solche Entscheidung eher ‚den Migranten‘ unterstellt. Vorzustellen ist aber, dass auch bei uns der Druck wächst, das ‚richtige‘ Kind zu bekommen. Es soll nicht nur mit den normalen Chromosomen, sondern auch mit dem richtigen Geschlecht in die Familie passen.“ „Family-balancing“ heißt dies und wird zumindest in den USA im Rahmen der Präimplantationsdiagnostik, die in Deutschland (noch) verboten ist, schon offensiv betrieben. Für die Frauenärztin aus Northeim weitet sich das Streben nach dem „Wunschkind“ weiter aus – eine Entwicklung, die durch die nahezu zur Routine gewordene Pränataldiagnostik vorbereitet sei.

„Was als Erweiterung der Selbstbestimmung der Frau daherkommt, erweist sich bei genauer Prüfung als ethisch äußerst gefährlich“, sagt sie und liegt damit auf gleicher Linie wie der Deutschen Ärztetag im Mai 2007. Doch trotz des Votums sind bundesweit Frauenärzte und Frauenärztinnen bereit, den Test zu machen. Sie lassen sich auf der Webseite von PlasmaGen AG ausfindig machen.

Die DGPFG rät Frauenärzten und Frauenärztinnen ab, bei dieser frühen Geschlechtstestung mitzumachen. „Sie macht medizinisch keinen Sinn, kann aber zu tiefen Problemen führen“, so Dr. Claudia Schumann. Die DGPFG ruft im Gegenteil dazu auf, einen offenen Diskurs über die Fragwürdigkeit dieses „Angebots“ zu führen. Ob juristische Regelungen noch greifen können, wenn die Tests frei verkäuflich seien, erscheint Schumann mehr als fraglich.

Kontakt
Dr. med. Claudia Schumann
+49 5551 4774

Kontakt

Dr. med. Claudia Schumann
+49 5551 4774

 

Slide DGPFG-Stellungnahme Geschlechtertest
An den Anfang scrollen