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DGPFG-Stellungnahme
Social Freezing

17.10.2014

„Social freezing“ – ein familienpolitisches Desaster und medizinisch nicht akzeptabel!

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) warnt vor einer unüberlegten Zustimmung zu einer „arbeitgeberfreundlichen“ Familienplanung, die das Selbstbestimmungsrecht von Frauen aushöhlt.

Hamburg, 17. Oktober 2014

Karriere und Kinderkriegen verträgt sich nicht „nebeneinander“, wenigstens nicht für Frauen. Also einfach „nacheinander“? Dagegen spricht die Biologie, denn Frauen über 35 Jahre haben weniger Chancen schwanger zu werden. Der medizinische Fortschritt verspricht Abhilfe: Eizellen mit 25 Jahren einfrieren, um sie mit 40 zu nutzen. Ist diese Entwicklung tatsächlich ein weiterer Schritt für die Selbstbestimmung von Frauen, ein Ausweg aus dem Dilemma?

„Social freezing“ erzeugt Druck auf junge Frauen 

Dr. Claudia Schumann, Vizepräsidentin der DGPFG, sieht die Kehrseite der Medaille: „So belastend ein unerfüllter Kinderwunsch ist, gerade wenn sich die Frau erst spät an die Realisierung gemacht hat, so kann das sogenannte „social freezing“ nicht die Lösung sein. Dieses Angebot verstärkt den Machbarkeitswahn, dass gesunde Kinder einfach organisierbar sind. Mit dieser Aussicht werden in Zukunft die Anstrengungen eher reduziert werden, gemeinsam die Chancen für eine Vereinbarung von Beruf und Kindern zu verbessern. Dies gilt für Frauen wie für Männer. „Social freezing“ setzt Frauen noch mehr unter Druck, ihre weiblichen Seiten zu verdrängen und zu funktionieren“.

Medizinische Optionen werden fehlgeleitet
Die Methode, Eizellen zu konservieren, wurde primär für jüngere Frauen entwickelt, die sich einer aggressiven Krebsbehandlung unterziehen mussten. Da bei einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie oft die Eierstöcke irreversibel geschädigt werden, wurden einzelne Eizellen bei ihnen vor der Behandlung entnommen und auf Eis konserviert („freezing“), um sie dann nach der Gesundung und bei späterem Kinderwunsch nutzen zu können. In diesen Fällen ist der Vorgang also eine gute Methode, die sicher auch die Genesung positiv unterstützt.

Da bekannt ist, dass die weiblichen Eizellen auch einfach durch das „Älterwerden“ der Frau Schaden nehmen, lag die Idee nicht fern, für diesen Fall vorzusorgen. Das Angebot, bei unerfülltem Kinderwunsch dann einfach auf tiefgefrorene Eizellen zurückzugreifen, die sie sich in jüngeren Jahren hat entnehmen lassen, halten wir aus psychosomatischer Sicht für nicht akzeptabel, zumal er mit durchaus belastenden Eingriffen verbunden ist. Außerdem kann dies junge Frauen massiv unter Druck setzen: Ist es bald beim Vorstellungsgespräch nützlich, ein Zertifikat über eingefrorene Eizellen vorzulegen, um dieselben Chancen wie der männliche Bewerber zu erhalten? Die Option, Kinder nach Plan in die Karriere einzubauen, verspricht mehr Chancen, behindert aber in Wirklichkeit einen selbstbewussten Lebensentwurf.

„Social freezing“ hebelt die Gleichberechtigung aus
Unabhängig von der individuellen Lösungsstrategie droht „social freezing“ die gesellschaftliche Realität zu beeinflussen: Während aktuell viel für das Wahrnehmen der unterschiedlichen weiblichen und männlichen Fähigkeiten zugunsten einer tatsächlichen Gleichberechtigung getan wird, dreht „social freezing“ das Rad wieder zurück: „Frauen sind wie Männer – zumindest bis 40!“ Ist das ein Fortschritt oder ein Alptraum?

Dr. Wolf Lütje, Präsident der DGPFG und Chefarzt einer Hamburger Frauenklinik, warnt: „Wir müssen alle Anstrengungen fördern, dass Frauen frühzeitig ihren Kinderwunsch erfüllen und im Beruf bleiben können. Sie dabei zu unterstützen, ist ein wichtiger gesellschaftlicher Auftrag, der allen nützt. Gerade die Kompetenz und Erfahrung von Müttern, die zielgerichtet Schwerpunkte setzen und ihre Kraft gut einteilen können, möchte ich nicht missen. Späte Mutterschaft ist schön, sollte aber nicht das Ziel sein.“

Ansprechpartnerin
Dr. med. Claudia Schumann
Frauenärztin/Psychotherapie
Vizepräsidentin der DGPFG
(Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde)
Hindenburgstaße 26
37154 Northeim
T +49 5551 4774
F +49 5551 2115

 

Ansprechpartnerin

Dr. med. Claudia Schumann
T +49 5551 4774

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