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Artikel des Monats März 2019

vorgestellt von Prof. Dr. med. Matthias David

N. Aldardeir u. U. Peschers.

Das Beckenschmerzsyndrom – Diagnose und Therapie. Gynäkologe. Gynäkologe 2019;  52:212–216

 

Der Umgang mit Schmerzsyndromen, vor allem mit dem chronischen Unterbauchschmerz, ist unverändert eine Herausforderung in der gynäkologischen Praxis. Die Bedürfnisse der betroffenen Frauen stellen besondere Anforderungen an das Zeitmanagement und „die ärztliche Kunst“. Aktuelle Übersichtsarbeiten zu Ursachenkonzepten und Therapiemöglichkeiten für Patientinnen mit chronischen Unterbauch- bzw. Beckenschmerzen sind daher wichtig. Die beiden Autoren der Arbeit „Das Beckenschmerzsyndrom – Diagnose und Therapie“ beschreiben einleitend das Dilemma so: „…Beckenschmerzen („chronic pelvic pain syndrome“, CPPS) sind weit verbreitet, für einen Teil der Patientinnen haben sie schwerwiegende Folgen. Oft haben sie eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, ohne dass sie eine relevante Besserung erfahren haben. Häufig wurde die Patientin mehrfach zystoskopiert, laparoskopiert und antibiotisch behandelt…“. Die Autoren geben für sog. nichtzyklische Beckenschmerzen eine Häufigkeit mit einer breiten Streuung von bei 2,1–43%! Sie schreiben weiter: „…Bei einemTeil der Patientinnen mit CPPS“, so schreiben sie, „… lässt sich eine klinische Ursache für die Schmerzen finden…“. In einer Tabelle werden sechs mögliche Ursachen bzw. Ursachengruppen für Beckenschmerzen, nämlich Endometriose, Geburten, onkologische Behandlung bei Tumoren im kleinen Becken, nichtonkologische Chirurgie im kleinen Becken, Blasen-/ Urethraschmerzsyndrom und Vulvodynie aufgeführt; auf einige davon wird näher eingegangen. Im Hinblick auf die notwendige Diagnostik bei den betroffenen Patientinnen betonen die Autoren die Bedeutung einer ausführlichen Anamneseerhebung. Nicht eingegangen wird auch hier auf mögliche Schutz- und Risikofaktoren, die mögliche Rolle von Konflikten, Krisen und Tabus als Schmerzursache, also auf die Möglichkeit einer psychosomatischen Ursache für die Beschwerden. Auch fehlt ein Hinweis auf die enge Verbindung zu sexualmedizinischen Fragestellung bzw. letztlich auch die Auswirkungen des CPPS auf die Sexualität und vice versa. Es irritiert, dass im Abschnitt über die therapeutischen Optionen wie auch unter den fünf Punkten des „Fazits für die Praxis“ keinerlei Hinweis auf psychotherapeutischen Interventionen zu finden ist. Alles in allem also ein Artikel, der einen angesichts des Forschungsstandes, vorhandener Leitlinien und der jahrzehntelangen Verankerung des psychosomatischen Denkens in unserem Fach etwas erstaunt zurücklässt.

(M. David)

Prof. Dr. med. Matthias David

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