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Medical Gaslighting – FGM/C – „Rough Sex“ und „Choking“ – Hymen und andere Mythen

4. Seminarreihe der DGPFG-AG Gewalt und Trauma // 2026/2027

Die AG Gewalt und Trauma, welche in den letzten Jahren bereits mehrere Online-Fortbildungsreihen unter dem Titel „WissensWerte über Gewalt und Trauma in Gynäkologie und Geburtshilfe“ mit großer Resonanz angeboten hat, bleibt weiter aktiv.
Während die bisherigen Durchläufe sich schwerpunktmäßig den Grundlagen des Themas gewidmet haben, möchten wir nun sehr verschiedene, aber aktuelle Aspekte vertiefen und ihnen mehr Raum und Zeit geben. Damit möglichst viele Interessierte teilnehmen können, bleiben wir bei einem abendlichen Online-Format. Nach einem einleitenden Referat wird es Zeit geben für die moderierte Diskussion.

Folgende Themen haben wir für Sie vorbereitet:

Programm

1: „Suizidgedanken? Gehen Sie doch mal spazieren und machen Sie Sport!“ – Medical Gaslighting 
Mittwoch, 30. September 2026, 18.30-20.30 Uhr
mit Dipl.-Psych. Eva Heimke

Vom Theaterstück „Gas Light“ (1938) abgeleitet bedeutet der Begriff Medical Gaslighting, dass sich Patient*innen mit tatsächlichen Symptomen in ärztliche Behandlung begeben, dort aber abgewiesen oder nicht ernst genommen werden. Ärzt*innen leugnen ohne angemessene Untersuchung die geschilderten Symptome oder führen jene auf Stress, Einbildung, Übertreibung oder Hormonlagen zurück, weil sie Patient*innen nicht ausreichend zuhören oder ernst nehmen. Die professionelle Untersuchung und Behandlung bleibt aus, meist ohne spezielle böse Absicht und eher aus Zeitmangel, mangelnder Weiterbildung, Überforderung oder auch aufgrund von Vorurteilen und „Götter-in-weiß-Habitus“. Deutlich häufiger sind weiblich gelesene Menschen betroffen: Sie warten länger auf die richtige Diagnose, werden öfter mit Deutungen bzgl. einer vermuteten Psychogenese ihrer Symptome konfrontiert, erhalten weniger Schmerzmittel und mehr Beruhigungs- und Schlafmittel als Männer und sterben häufiger am Herzinfarkt. Auch LGBTQIA-Patient*innen, Übergewichtige, chronisch Erkrankte mit seltenen Erkrankungen und Menschen mit Migrationshintergrund sind häufiger betroffen. Mit verschiedensten Fallbeispielen aus gemischten Fachgebieten wollen wir uns des Themas annehmen und diskutieren, wie Medical Gaslighting verhindert und die Versorgung verbessert werden kann.

2: Diagnose von Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C) und Betreuung betroffener Frauen in der Gynäkologie und Geburtshilfe – eine Herausforderung
Mittwoch, 2. Dezember 2026, 18.30-20.30 Uhr
mit Dr. med. Charlotte von Saldern

Weltweit leben mehr als 230 Millionen Frauen und Mädchen mit den Folgen einer Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C), in Deutschland schätzungsweise über 100.000. Ärzt*innen sowie Hebammen begegnen daher zunehmend betroffenen Patientinnen – sei es in der gynäkologischen Sprechstunde, während der Schwangerschaft oder unter der Geburt. Dennoch bestehen häufig Unsicherheiten hinsichtlich Diagnostik, Kommunikation und einer angemessenen medizinischen Versorgung.
Der Vortrag vermittelt einen praxisnahen Überblick über die verschiedenen Typen und gesundheitlichen Folgen von FGM/C. Anhand von Fallbeispielen werden die gynäkologische und geburtshilfliche Betreuung betroffener Frauen sowie konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Neben den medizinischen Aspekten liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der trauma- und kultursensiblen Betreuung und Kommunikation mit betroffenen Frauen. Darüber hinaus werden rechtliche Fragestellungen sowie Aspekte des Kinderschutzes behandelt.
Ziel des Vortrags ist es, Berührungsängste abzubauen, die Handlungssicherheit im Umgang mit betroffenen Patientinnen zu stärken und konkrete Empfehlungen für den klinischen Alltag zu vermitteln. Ergänzend wird der kostenfreie, interaktive und multimediale E-Learning-Kurs der AG FIDE e.V. zum Thema FGM/C (www.fgm-fortbildung.de) vorgestellt, der medizinischen Fachkräften einen fundierten Einstieg in das Thema bietet und zahlreiche weiterführende Informationen, Materialien und aktuelle Empfehlungen bereithält.

3: „Rough Sex“ und „Choking“: Trend, Risiko und Relevanz für die Praxis
Dienstag (!), 23. Februar 2027, 18.30 – 20.30 Uhr
mit Dr. Melanie Büttner

Harte und aggressive Sexualpraktiken wie Festhalten, Schlagen, forcierte Penetration, Anspucken oder Würgen („Choking“) sind insbesondere unter jüngeren Menschen zunehmend verbreitet. Fast 40 % der Frauen unter 40 Jahren in Deutschland haben bereits Rough Sex in einer passiven, untergeordneten Rolle erlebt. Digitale Medien, Pornografie, Social Media und Memes tragen dazu bei, dass diese Praktiken sichtbarer und normaler werden und Eingang in sexuelle Vorstellungen und Erwartungen finden. Absprachen über Grenzen, Konsens und Sicherheit finden dabei jedoch nur selten statt oder werden nicht verlässlich eingehalten.

Für Fachpersonen aus Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Hebammenwesen ergeben sich daraus neue Herausforderungen. Denn „Rough Sex“-Praktiken können mit erheblichen körperlichen und psychischen Risiken verbunden sein und bewegen sich zugleich in einem komplexen Spannungsfeld zwischen Lust und Grenzerfahrung, Konsens und Druck sowie sexueller Selbstbestimmung und Gewalt.

Der Online-Vortrag vermittelt einen aktuellen Überblick über Verbreitung, Hintergründe und mögliche gesundheitliche Folgen von „Rough Sex“-Praktiken. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Bedeutung das Thema für den medizinischen und geburtshilflichen Alltag hat und wie Fachpersonen sensibel, professionell und nicht wertend damit umgehen können.

Zugleich bietet der Vortrag Raum für eine fachlich differenzierte Auseinandersetzung mit einem Thema, das in der Versorgung zunehmend relevant wird, jedoch häufig noch mit Unsicherheiten, Tabus und fehlender Gesprächsroutine verbunden ist.

4: Hymen und andere Mythen
Mittwoch, 21. April 2027, 18.30 – 20.30 Uhr
mit Nicole Balint (Gynäkologin) und Julia Meyer (Juristin)

Da das Hymen von Mythen umwoben ist und unzureichende Aufklärung zu deren hartnäckigem Fortbestehen beiträgt, widmen wir uns an diesem Abend seiner embryologischen Entwicklung und anatomischen Realität auf wissenschaftlicher Grundlage. Auch werden wir uns der standardisierten Terminologie der korrekten anatomischen Strukturen in der Beschreibung von Befunden bei weiblichen Betroffenen nach sexualisierter Gewalt widmen. Im zweiten Teil des Abends werden wir uns mit der Geschlechterrollenstereotypen und den Vergewaltigungsmythen im Sexualstrafrecht beschäftigen.

Teilnahmegebühren

  • 50.-€ /je Abend, 180.- € für die gesamte Reihe
  • Mitglieder der DGPFG: 40.-€ /je Abend, 130.- € für die gesamte Reihe
  • StudentInnen im Vollzeitstudium (Bearbeitung der Anmeldung erst nach Zusendung der aktuellen Immatrikulationsbescheinigung): 10,- €/Abend

Fortbildungspunkte

für Ärzt*innen sind beantragt.

Referentinnen und Moderatorinnen

  • Nicole Balint, FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe, Zusatzbezeichnung Sexualmedizin, Berlin, Charité Universitätsmedizin Berlin; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Dr. med. Melanie Büttner, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Sexualtherapeutin (DGfS), Traumatherapeutin, München; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Dipl.-Psych. Eva Heimke, Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin (OPK), Fachpsychologin für Klinische Psychologie (BDP), Spezielle Psychotraumatherapeutin (DeGPT), Magdeburg; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Dr. med. Andrea Hocke, FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe, Psychotherapeutin, Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Universitätsklinikum Bonn; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Martina Kruse B.A., M.A., Systemische Beraterin (SG), Traumafachberaterin (DeGPT), Familienhebamme, Köln; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Henrike Krüsmann, Master Soziale Arbeit, Fachkraft Traumapädagogik, Fachkraft Opferschutz und Psychosoziale Prozessbegleitung, Systemische Therapeutin, Berlin
  • Julia Meyer, Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Berlin Tiergarten; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Dr. med. Claudia Schumann-Doermer, Frauenärztin und Psychotherapeutin, Northeim; Mitglied der AG Trauma und Gewalt der DGPFG
  • Dr. med. Charlotte von Saldern, Ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Leiterin der Sprechstunde für Frauen mit Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C) am Martin-Luther-Krankenhaus Berlin. Koordinatorin des FGM-Boards und Vorstandsmitglied der AG FIDE e.V. (Arbeitsgemeinschaft Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit), assoziierte Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

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