skip to Main Content
Menu

Prof. Dr. rer. nat. Sonja Entringer

Institut für Medizinische Psychologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

In unserem Forschungsprogramm beschäftigen wir uns mit den psychobiologischen Mechanismen, durch die Umweltfaktoren in der prä- und frühen postnatalen Lebensphase die Entwicklung physiologischer Systeme und somit die mentale und körperliche Gesundheit lebenslang beeinflussen können. Besonders interessiert uns hierbei das Zusammenspiel psychologischer und biologischer Prozesse während der Schwangerschaft, und wie sich diese auf fötale Entwicklung und Vulnerabilität für bestimmte Krankheiten (wie z.B. übergewicht, Diabetes, Depression) bei Kindern und im späteren Lebensalter auswirken (1).

In einer retrospektiven Humanstudie haben wir erstmals den Zusammenhang zwischen kritischen Lebensereignissen während der Schwangerschaft und metabolischer, endokriner, Immun- und kognitiver Funktion bei den erwachsenen Nachkommen untersucht. Dabei fanden wir signifikante Zusammenhänge zwischen pränataler Stressbelastung und negativen Veränderungen in allen untersuchten Bereichen (2-6). Die jungen Erwachsenen, deren Mütter während der Schwangerschaft einer starken psychischen Stressbelastung ausgesetzt waren, zeigten eine höhere Insulinresistenz, höhere Körperfettwerte, eine Dysregulation der HHNA, Veränderungen in der Immunfunktion (Th-2 Bias), Beeinträchtigungen in der Arbeitsgedächtnisleistung, sowie kürzere Telomere in Immunzellen, einem Biomarker der Zellalterung. Viele dieser Befunde konnten wir mittlerweile in prospektiven Längsschnittstudien replizieren (7-9).

Momentan etabliere ich mit Kolleginnen und Kollegen an der Charité Universitätzmedizin Berlin eine prospektive Geburtskohorte, bei der innovative Methoden der Stressdiagnostik („Ecological Momentary Assessments“) während der Schwangerschaft zum Einsatz kommen. 350 Mutter-Kind-Paare werden von der frühen Schwangerschaft bis zum ersten Lebensjahr des Kindes begleitet und untersucht. Psychologische und physiologische Charakteristika sowie das Verhalten und Befinden während der Schwangerschaft werden mit Smart-Phone-Apps im Alltag erfasst. Aus Nabelschnur- und Plazentaproben werden molekularbiologische und epigenetische Marker analysiert, um spezifische Hypothesen zum Zusammenhang zwischen Stressbelastung der Mutter während der Schwangerschaft und Veränderungen in der mütterlich-plazental-fetalen Stressphysiologie sowie fetalen Zellalterungsprozessen zu testen.

Eine stetig wachsende Befundlage unterstützt die Bedeutsamkeit lebensgeschichtlich früher Erlebnisse und Erfahrungen der werdenden Mutter für Schwangerschaftsverlauf sowie fetale Entwicklung. In diesem Zusammenhang führen wir Studien durch zu den Auswirkungen von Migration und damit assoziierten psychologischen und sozialen Faktoren bei schwangeren Frauen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland, sowie bei mexikanischen Migrantinnen in Kalifornien, USA (10). Außerdem geben unsere Forschungsarbeiten Hinweise darauf, dass sich die Auswirkungen von Kindheitstraumata, wie beispielsweise frühe Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, auf folgende Generationen übertragen, in dem sie die Stressbiologie der werdenden Mutter (11) sowie die Gehirnentwicklung des Ungeborenen (12) beeinflussen.

In unserem interdisziplinär ausgerichteten Forschungsprogramm am Institut für Medizinische Psychologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin kommen Methoden der Psychoneuroendokrinologie, der Psychoneuroimmunologie, der Bildgebung (strukturelle und funktionelle MRT Untersuchungen) sowie der Molekulargenetik (epigenetische Mechanismen/ Telomerbiologie) zum Einsatz. Ziel dieser Forschung ist es, pathophysiologische Mechanismen komplexer psychischer und somatischer Störungen unter Berücksichtigung früher Entwicklungsfaktoren besser zu verstehen und darauf aufbauend neue Ansatzpunkte zur Klassifikation, Prävention und Behandlung dieser Störungen zu entwickeln.

Referenzen

  1. Entringer S, Buss C, Wadhwa PD. Prenatal stress, development, health and disease risk: A psychobiological perspective-2015 Curt Richter Award Paper. Psychoneuroendocrinology. 2015;62:366-75.
  2. Entringer S, Buss C, Kumsta R, Hellhammer DH, Wadhwa PD, Wust S. Prenatal psychosocial stress exposure is associated with subsequent working memory performance in young women. Behav Neurosci. 2009;123(4):886-93.
  3. Entringer S, Kumsta R, Hellhammer DH, Wadhwa PD, Wust S. Prenatal exposure to maternal psychosocial stress and HPA axis regulation in young adults. Horm Behav. 2009;55(2):292-8.
  4. Entringer S, Kumsta R, Nelson EL, Hellhammer DH, Wadhwa PD, Wust S. Influence of prenatal psychosocial stress on cytokine production in adult women. Dev Psychobiol. 2008;50(6):579-87.
  5. Entringer S, Wust S, Kumsta R, Layes IM, Nelson EL, Hellhammer DH, et al. Prenatal psychosocial stress exposure is associated with insulin resistance in young adults. Am J Obstet Gynecol. 2008;199(5):498.e1-7.
  6. Entringer S, Epel ES, Kumsta R, Lin J, Hellhammer DH, Blackburn EH, et al. Stress exposure in intrauterine life is associated with shorter telomere length in young adulthood. Proc Natl Acad Sci U S A. 2011;108(33):E513-8.
  7. Entringer S, Buss C, Rasmussen JM, Lindsay K, Gillen DL, Cooper DM, et al. Maternal cortisol during pregnancy and infant adiposity: a prospective investigation. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 2016:jc20163025.
  8. Entringer S, Epel ES, Lin J, Buss C, Shahbaba B, Blackburn EH, et al. Maternal psychosocial stress during pregnancy is associated with newborn leukocyte telomere length. Am J Obstet Gynecol. 2012.
  9. Rudolph MD, Graham AM, Feczko E, Miranda-Dominguez O, Rasmussen JM, Nardos R, et al. Maternal IL-6 during pregnancy can be estimated from newborn brain connectivity and predicts future working memory in offspring. Nature neuroscience. 2018;21(5):765-72.
  10. Scholaske L, Buss C, Wadhwa PD, Entringer S. Acculturation and interleukin (IL)-6 concentrations across pregnancy among Mexican-American women. Brain Behav Immun. 2018;73:731-5.
  11. Moog NK, Buss C, Entringer S, Shahbaba B, Gillen DL, Hobel CJ, et al. Maternal Exposure to Childhood Trauma Is Associated During Pregnancy With Placental-Fetal Stress Physiology. Biol Psychiatry. 2016;79(10):831-9.
  12. Moog NK, Entringer S, Rasmussen JM, Styner M, Gilmore JH, Kathmann N, et al. Intergenerational Effect of Maternal Exposure to Childhood Maltreatment on Newborn Brain Anatomy. Biol Psychiatry. 2018;83(2):120-7.

Zu den Kontaktdaten

Back To Top