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Dr. med. Gerhard Haselbacher

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Da ich der DGPFG (früher DGPGG) seit Anbeginn angehöre, bin ich schon deswegen gerne im Beirat, weil ich glaube, dass es gut ist, aus der Geschichte einer Gesellschaft zu lernen und dieses Wissen weiter zu geben. Daneben ist mein Anliegen, der Sexualmedizin in unserer Gesellschaft das nötige Gewicht zu verleihen.

Nach meinem medizinischen Staatsexamen (1974) bin ich schon früh in meiner Assistentenzeit nicht zuletzt durch Fried Conrad mit gynäkologischer Psychosomatik in Berührung gekommen. So kam ich 1979 das erste Mal zu einem der letzten Psychosomatikkongresse von Prof. Langen in Mainz, sozusagen der Keimzelle unserer Gesellschaft. Damals hielten viele unserer damals jungen Gründungsmitglieder (Deutsche Sektion der ISPOG) Vorträge, die mich „infizierten“ und mein ganzes Berufsleben prägten. Hans Molinski, Hans Prill, Ortrun Jürgensen, Herwig Poettgen, Viola Frick-Bruder um nur einige zu nennen und natürlich Manfred Stauber. Viele andere aus der Zeit wurden Wegbegleiter. Piet Nijs, Dietmar Richter, Walter Dmoch und vor allem auch Heribert Kentenich. Wem manche der genannten Namen kein Begriff mehr sind, sollte mal in unsere Liste der Ehrenmitglieder und Ehrenpräsidenten schauen.

1981 habe ich mich als Frauenarzt niedergelassen und 1985 den Psychotherapiezusatztitel erworben, seit dieser Zeit habe ich mit Fried Conrad und Manfred Stauber die Psychosomatik-Weiterbildungskurse in München bis vor wenigen Jahren durchgeführt. Das war eine tolle Zeit, das Verständnis untereinander fast blind. Die „psychosomatische Aufbruchstimmung enorm“, in der Gynäkologie begann die Frau im Mittelpunkt zu stehen und nicht mehr die Technik allein. In der Geburtshilfe war nicht allein mehr das Überleben von Mutter und Kind von Bedeutung, sondern die frühe Bindung zwischen Mutter und Kind. Damals hatten wir auch das Glück, viel Zuspruch aus anderen Kliniken zu erhalten. In Großhadern (LMU) war Christian Thaler, in der Klinik III. Orden war Wolf Lütje, in der Klinik Neuperlach Gerlinde Debus, im Rechts der Isar (TUM) Ulrike Ackermann u.s.w.

Viele großartige Sitzungen hatten wir, eine möchte ich besonders hervorheben. Zu einer der Fortbildungssamstage lud Christian Thaler Helmut Remmler ein, einem in München sehr bekannten Analytiker. Herr Remmler sollte über das Thema Sterben und dem Umgang mit dem Tod sprechen. Er sagte zu unter der Bedingung, dass er zu der Musik von Mozarts Requiem Gedanken vortragen dürfe. Wir haben eigens einen Tontechniker gebeten, die Musikübertragung auch im Hörsaal zu einem Erlebnis werden zu lassen. Ich glaube es gab niemanden im Saal, der nicht ergriffen war von der Atmosphäre und der Eindringlichkeit der Verbindung Musik und Sprache. Bei der innigen Umarmung zur Verabschiedung konnten wir nicht wissen, dass Herr Remmler wenige Tage später starb. Er hatte sich mit Mozarts Requiem verabschiedet.

Später haben wir die Kurse vor allem mit Ralph Kästner in der Maistrasse weiter geführt. Ich bin wegen der häufigen Rückmeldungen sicher, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen, die unsere Kurse durchlaufen haben, psychosomatisch und im Sinne einer Beziehungsmedizin „anstecken“ ließen, und nicht nur den Kurs „abhakten“.

Ich muss noch ein anderes „Highlight“ erwähnen, nämlich den Kongress 1990 in München, den Stauber, Conrad und ich in der Maistrasse organisieren durften. Mit großer Freude haben wir damals die Kollegen und Kolleginnen der Ostgesellschaft der psychosomatischen Gynäkologie erstmals in der BRD begrüßen können und aus der emotional so bewegenden Begegnung sind Freundschaften entstanden, die mir bis heute ganz wichtig sind. Die Menschlichkeit, der Mut und die Frische, die die Kollegen aus der DDR ausstrahlten war für uns „Wessis“ sehr beeindruckend. Es dauerte wohl noch ein paar Jahre, bis die Gesellschaften endgültig zusammenwuchsen, aber dies war eher der Sorgfalt, der Achtsamkeit und gegenseitiger Achtung geschuldet als etwa einem Misstrauen, Ressentiments oder Ablehnung.

Nun zu etwas Aktuellem. Zu der gleichen Zeit wie meine ersten Berührungspunkte mit der Psychosomatik fand auch meine Verbindung zur Sexualmedizin statt, auch hier war Fried Conrad mir ein Wegbereiter, der mich zu den Heidelberger Sexualtagungen brachte.  Ich erlebte Ende der Siebziger-Jahre díe erste (!) Ringvorlesung über Sexualmedizin in München (Frankfurt und Hamburg gab es schon). Götz Kockott, W. Eicher, H. Vogt u.a. haben dort Pionierarbeit geleistet. Mit Hermann Vogt und Fried Conrad haben wir das Curriculum für Sexualmedizin in enger Zusammenarbeit der Akademie für Sexualmedizin (heute in der DGSMTW) aufgebaut und mehrere Male angeboten.

Dieses Modell ist auch der Grundstein für den nach über 20 Jahren endlich von der Bundesärztekammer in die Musterweiterbildungsordnung aufgenommenen Zusatzbereich.

In Bayern braucht es wohl noch ein wenig Zeit, bis die MWO in die Bayerische WO umgesetzt wird, aber wir bereiten ein entsprechendes Weiterbildungscurriculum derzeit vor. Aus unserem Beirat sind neben mir Melanie Büttner und aus dem Vorstand Vivian Pramataroff-Hamburger dabei.

Zu der jetzigen Diskussion, ob es für die sexualmedizinische Betreuung unserer gynäkologischen Patienten gut oder schlecht sei, wenn ein solcher Zusatzbereich etabliert würde, sage ich eindeutig: Ja es ist gut. Denn so wie nicht jeder Allgemeinarzt einen Zusatzbereich Allergologie erwerben muss, um Ahnung von Allergien zu haben, muss nicht jeder Frauenarzt den Zusatztitel Sexualmedizin erlangen, um sexualmedizinisch beraten zu können. Aber es gut, wenn Mitglieder von uns diesen vorweisen können und wir sachkundige Kollegen haben, die wir fragen können oder an die wir überweisen können. Die Ärzte*innen und Psychologen*Innen die bei uns die Kurse absolviert haben, haben jedenfalls davon profitiert.

Da ich nach meiner Abgabe der Frauenarztpraxis nun im „Ruhestand“ bin, hielt ich es für notwendig als Demenzprophylaxe noch weiter Psychotherapie mit Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie anzubieten, vor allem aber meine Tätigkeit als Dozent und Supervisor beim ÄPK, einem der Weiterbildungsinstitute in München macht mir großen Spaß.

Ich hoffe in diesem Sinne auch noch ein wenig im Beirat unserer Gesellschaft Sinnvolles beitragen zu können, so lange dies erwünscht ist.

Gerhard Haselbacher

 

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